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Bürgerhaushalt: 40 Vorschläge stehen in Potsdam zur Wahl
707 Ideen kamen in Potsdam für den Bürgerhaushalt 2027/28 zusammen, 40 stehen jetzt zur Abstimmung. In Unterschleißheim zeigen ein Abenteuerspielplatz und zwei Bodentrampoline, was aus solchen Vorschlägen werden kann. So funktioniert Mitsprache vor der eigenen Haustür.
Von Max ·
707 Ideen, 40 zur Wahl: So gestalten Bürger ihre Stadt mit Im Rolf-Zeitler-Park in Unterschleißheim lässt sich Kommunalpolitik gewissermaßen anfassen – oder besser: darauf klettern. Holzleitern, bunte Baumstämme, eine Sprossenbrücke und ein Netztunnel gehören zu einem Abenteuerspielplatz, der im Sommer 2024 fertiggestellt wurde. Die Idee dafür kam nicht allein aus dem Rathaus, sondern aus dem Bürgerbudget 2022.
Ganz in der Nähe laden seit 2023 außerdem zwei Bodentrampoline zum Springen ein. Auch sie gehen auf einen Bürgervorschlag zurück. 20.000 Euro steuerte das Bürgerbudget bei.
Was hier längst zum Stadtbild gehört, zeigt, wie aus Vorschlägen von Einwohnern konkrete Verbesserungen entstehen können. Und in anderen deutschen Städten werden gerade die nächsten Ideen gesammelt.
Potsdam: Aus 707 Ideen werden 40 Vorschläge In der brandenburgischen Landeshauptstadt läuft derzeit die Abstimmung über den Bürgerhaushalt 2027/2028. Insgesamt 707 Vorschläge waren in der ersten Beteiligungsphase eingegangen. Ein Redaktionsteam aus Einwohnern, Stadtverordneten und Verwaltung stellte daraus 40 Vorschläge zusammen.
Die Bandbreite ist groß: mehr Bäume, sichere Geh- und Radwege, öffentliche Trinkwasserbrunnen und bessere Angebote für Kinder und Jugendliche stehen ebenso zur Diskussion wie Einsparungen im Haushalt oder zusätzliche Einnahmen.
Bis zum 8. November 2026 können alle Menschen, die in Potsdam wohnen, ihre Favoriten auswählen. Bereits am 7. Oktober hatten nach Angaben der Stadt mehr als 6.000 Menschen abgestimmt.
Die jeweils zehn beliebtesten Vorschläge aus den Kategorien „Ausgaben“ und „Finanzierung“ sollen anschließend der Stadtverordnetenversammlung übergeben werden. Dort fließen sie in die Beratungen zum Doppelhaushalt 2027/2028 ein.
Eine Garantie auf Umsetzung ist das noch nicht. Aber die Abstimmung macht sichtbar, welche Anliegen den Einwohnern besonders wichtig sind.
Bürgerhaushalt oder Bürgerbudget: Was ist der Unterschied? Das Prinzip hinter der Bürgerbeteiligung ist einfach: Wer in einer Stadt lebt, kennt häufig die kleinen Dinge, die den Alltag verbessern könnten. Bei einem Bürgerhaushalt können diese Erfahrungen in die Planung öffentlicher Einnahmen und Ausgaben einfließen.
Ein Bürgerbudget funktioniert meist etwas konkreter. Die Kommune stellt einen bestimmten Geldbetrag bereit, mit dem ausgewählte Vorschläge verwirklicht werden können. Welche Ideen berücksichtigt werden, bestimmen je nach Verfahren eine öffentliche Abstimmung und die kommunalen Entscheidungsgremien.
In Unterschleißheim hat sich daraus bereits einiges entwickelt. Nach Angaben der Stadt sind mehr als 70 Projekte durch Bürgerhaushalte und Bürgerbudgets entstanden – darunter Wildblumenwiesen, Sportanlagen und Treffpunkte. Seit Januar 2026 kann im Bürgerhaus sogar wieder gekegelt werden. Auch die Sanierung der Kegelbahn wurde durch das Bürgerbudget ermöglicht.
Wo Menschen jetzt eigene Ideen einbringen können Auch kleinere Städte zeigen, wie vielseitig Mitbestimmung sein kann.
Im brandenburgischen Storkow stehen noch bis zum 31. Oktober 2026 insgesamt 21 Vorschläge zur Abstimmung. Dazu gehören ein Sonnensegel für einen Spielplatz, zusätzliche Sitzbänke und sogar eine Nisthilfe für Störche. Mitmachen dürfen Einwohner ab 16 Jahren mit Hauptwohnsitz in der Stadt.
In Hohen Neuendorf können Menschen derzeit neue Ideen für den Bürgerhaushalt 2027 einreichen. Dafür stehen alle zwei Jahre insgesamt 200.000 Euro bereit. Einzelne Projekte dürfen höchstens 20.000 Euro kosten. Vorschläge sind noch bis zum 31. Dezember 2026 möglich.
Nicht jede Idee kann umgesetzt werden. Die Kommune muss unter anderem prüfen, ob sie zuständig ist, ob die Kosten tragbar sind und ob ein Projekt die festgelegten Voraussetzungen erfüllt.
Eine gute Idee beginnt oft direkt vor der Haustür Wer selbst etwas bewegen möchte, kann auf der Internetseite seiner Stadt oder Gemeinde nach „Bürgerhaushalt“, „Bürgerbudget“ oder „Bürgerbeteiligung“ suchen. Dort finden sich Informationen über aktuelle Projekte, Abstimmungen und Teilnahmebedingungen.
Und auch wenn nicht jede Stadt ein solches Verfahren anbietet, lohnt es sich, nach Möglichkeiten zur Mitsprache zu fragen.
Denn manchmal braucht es für eine Verbesserung zunächst nicht mehr als einen aufmerksamen Blick auf die eigene Nachbarschaft. Eine Bank, die einen Spazierweg angenehmer macht. Ein Spielplatz, der Kinder begeistert. Oder ein Stück Grün, das vorher gefehlt hat.
Aus solchen Gedanken kann ein Vorschlag werden. Und aus einem Vorschlag mit etwas Glück ein Ort, an dem sich viele Menschen wohlfühlen.