Sport
Blanka Dörfel läuft in Frankfurt das schnellste Marathon-Debüt einer Deutschen
Erster Marathon, ohne Uhr, im Regen – und gleich 2:20:46 Stunden. Dazu Platz zwei für Amanal Petros und ein Melderekord.
Von Firas ·
Kalt, nass, windig: Der Sonntag in Frankfurt war kein Tag, an dem man auf Bestzeiten wetten würde. Blanka Dörfel lief trotzdem in die Rekordlisten. Bei ihrem allerersten Marathon kam die 24-jährige Berlinerin am 25. Oktober nach 2:20:46 Stunden als Zweite ins Ziel – so schnell war noch keine deutsche Frau bei ihrem Marathon-Debüt.
Ein Debüt, das die Bestenliste umschreibt Die bisherige Debüt-Bestmarke einer Deutschen hielt Melat Kejeta mit 2:23:57 Stunden aus Berlin 2019. Dörfel war mehr als drei Minuten schneller. In der ewigen deutschen Bestenliste steht jetzt nur noch eine Frau vor ihr: Irina Mikitenko, die 2008 in Berlin den deutschen Rekord von 2:19:19 Stunden aufstellte. Auch in Europa zählt die Zeit: In der ewigen europäischen Bestenliste bedeutet sie Rang acht.
Gewonnen hat das Rennen die Äthiopierin Zeineba Yimer in 2:19:45 Stunden, Dritte wurde ihre Landsfrau Beriha Gebreslasie (2:22:46). Dörfel lief außerdem die schnellste Zeit, die eine deutsche Frau je beim Frankfurt-Marathon erreicht hat.
Ohne Uhr, nach Gefühl Das Besondere: Dörfel lief ohne Uhr. Sie orientierte sich an den Tempomachern und an ihrem Körpergefühl. Die Hälfte der Strecke hatte sie nach 1:10:29 Stunden hinter sich, die zweite Hälfte war sogar zwölf Sekunden schneller. Ab Kilometer 33 lag sie auf Platz zwei und gab ihn nicht mehr her. Wie schnell sie wirklich war, erfuhr sie erst am Ende in der Festhalle: „Ich habe erst in der Halle die Anzeige mit 2:20 gesehen“, sagte sie im Interview mit leichtathletik.de.
Leicht war es nicht. Die Kälte setzte ihr auf den letzten Kilometern zu, die Energie-Gels ließen sich kaum noch aus der Packung drücken. Dabei mag sie es eigentlich anders – sie läuft nach eigenen Worten am liebsten in Wärme und Sonne.
Wochenlang Training in Boulder Ganz aus dem Nichts kam der Lauf nicht. Im Frühjahr wurde Dörfel erstmals Deutsche Meisterin über 10.000 Meter, im Mai lief sie beim Halbmarathon in Mainz 1:08:06 Stunden. Auf Frankfurt bereitete sie sich rund zehn bis elf Wochen in Boulder vor, bei Temperaturen über 30 Grad, betreut von ihrem Trainer Dieter Hogen. Sie selbst nennt es die beste Vorbereitung ihrer Karriere. Ihr Blick geht schon weiter: „Ich weiß, dass beim nächsten Mal eine Zeit unter 2:20 Stunden möglich ist.“ Langfristig hat sie die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles im Visier.
Petros auf dem Podest, Ringer Fünfter Auch bei den Männern gab es Grund zur Freude. Amanal Petros (Hannover 96) wurde in 2:05:46 Stunden Zweiter hinter dem Äthiopier Jirata Lelisa Denki (2:05:26). Für den Europameister ist es die drittschnellste Zeit seiner Karriere und die schnellste, die je ein deutscher Mann in Frankfurt gelaufen ist. Laut Runner's World ist er zudem der erste deutsche Läufer in diesem Jahrtausend, der es im Männerrennen in Frankfurt aufs Podest geschafft hat. Einen Angriff auf den deutschen Rekord ließ das Wetter nicht zu – Petros' Bestmarke von 2:04:03 Stunden bleibt bestehen.
Richard Ringer (LC Rehlingen) kam in 2:07:07 Stunden als Fünfter ins Ziel, Samuel Fitwi (Silvesterlauf Trier) wurde trotz muskulärer Probleme Siebter in 2:08:57 Stunden.
Rekordfeld zum Abschied Rekordverdächtig war auch der Andrang: 19.720 Läuferinnen und Läufer aus 128 Nationen hatten für die 43. Auflage gemeldet – so viele wie noch nie. Für Renndirektor Jo Schindler war es nach 25 Jahren das letzte Rennen an der Spitze der Organisation; auf ihn folgt Holger Kranz. Ein Abschied, wie man ihn sich kaum schöner wünschen kann: mit einem Melderekord und einer jungen Läuferin, die gerade erst angefangen hat.
Themen: Blanka Dörfel, Marathon-Debüt, Frankfurt Marathon, Leichtathletik, Marathon Rekord, Amanal Petros
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