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Bio-Anteil erreicht 8,1 Prozent: Bio-Lebensmittel wachsen auch im Sommer weiter
4,42 Milliarden Euro im dritten Quartal: Bio legt erneut zu – besonders kräftig in den Drogerien, während Bioläden Umsatz verlieren.
Von Denise ·
Die Kauflaune in Deutschland ist verhalten, doch an einer Stelle im Einkaufswagen wächst es weiter: bei Bio. Von Juli bis Ende September gaben die Menschen hierzulande 4,42 Milliarden Euro für Bio-Lebensmittel aus. Das sind 2,8 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie aus Daten des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hervorgeht. Und noch eine Zahl lässt aufhorchen: Der Bio-Anteil am gesamten deutschen Lebensmittelmarkt stieg im dritten Quartal erstmals auf 8,1 Prozent.
Ein Jahr mit stetigem Plus Der Sommer reiht sich damit in eine Serie ein. Im ersten Quartal hatte der Umsatz um 6 Prozent zugelegt, im zweiten Quartal um 3,8 Prozent. Rechnet man die ersten neun Monate des Jahres zusammen, kommen Bio-Lebensmittel auf 14,08 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 4,3 Prozent.
Auch der Blick auf die Vorjahre zeigt, dass es sich nicht um einen Ausreißer handelt. 2024 stieg der Bio-Umsatz um 5,7 Prozent, 2025 erreichte er mit 18,23 Milliarden Euro einen Rekord, 6,7 Prozent mehr als im Jahr davor.
BÖLW-Vorstandsvorsitzende Tina Andres sagt: „Der wachsende Biomarkt ist ein Weckruf.“ Sie verbindet das mit einer Forderung an die Bundesregierung: Sie solle gute Rahmenbedingungen für „heimisches Bio“ schaffen und die Betriebe ermutigen, auf Öko umzustellen.
Wo Bio heute gekauft wird Wer Bio kauft, geht dafür längst nicht mehr nur in den Bioladen. Den größten Teil des Bio-Umsatzes machten im dritten Quartal Supermärkte mit 31,3 Prozent, dahinter folgen Discounter mit 27,8 Prozent. Drogeriemärkte kommen auf 12,7 Prozent und legten im Sommer besonders kräftig zu.
Der Naturkostfachhandel dagegen verlor 2,0 Prozent Umsatz und hält noch einen Anteil von 17,3 Prozent. Als mögliche Gründe gelten die allgemeine Kaufzurückhaltung und die vielen heißen Tage: Für viele Menschen ist der Weg zum nächsten Bioladen weit. Schon beim zweiten Quartal hatte der Verband zudem auf einen Strukturwandel verwiesen: Bio wird zunehmend dort gekauft, wo ohnehin eingekauft wird.
Was die Zahlen zeigen – und was nicht Zur Einordnung gehören ein paar Einschränkungen. Quartalszahlen lässt der BÖLW erst seit diesem Jahr erheben, gemeinsam mit der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft und auf Basis von Daten aus vier Marktforschungsinstituten. Der Höchstwert von 8,1 Prozent bezieht sich also auf eine noch junge Datenreihe. Zudem messen die Werte den Umsatz in Euro, nicht die verkaufte Menge; schon beim zweiten Quartal betonte der Verband, dass Preissteigerungen nicht herausgerechnet sind – das Wachstum liege aber deutlich darüber. Und das Plus fiel im Sommer schwächer aus als in den beiden Quartalen davor.
Die größte Baustelle liegt jedoch auf dem Acker: Die heimische Öko-Produktion auf Feldern und in Ställen hält mit der wachsenden Nachfrage nicht Schritt. Laut BÖLW werden in Deutschland 11,7 Prozent der Agrarfläche ökologisch bewirtschaftet, etwa jeder siebte Hof ist ein Bio-Betrieb. Das einst von der Ampel-Koalition ausgegebene Ziel von 30 Prozent Bio-Fläche bis 2030 ist davon noch weit entfernt.
Ein Markt, der leise wächst Unterm Strich bleibt eine gute Nachricht ohne Paukenschlag: Bio ist im Alltag angekommen, im Supermarktregal, beim Discounter und in der Drogerie. Wenn mehr Menschen Bio kaufen, wächst auch der Spielraum für Landwirtinnen und Landwirte, die umstellen wollen – vorausgesetzt, die Bedingungen dafür stimmen.
Themen: Bio-Lebensmittel, Bio-Markt Deutschland, Ökologische Lebensmittel, Konsumtrends, Bioladen, Drogeriemärkte, BÖLW
Bio-Anteil erreicht 8,1 Prozent: Bio-Lebensmittel wachsen auch im Sommer weiter