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Bevor der Frost kommt: So bringst du Balkonpflanzen durch den Winter
Viele Kübelpflanzen überstehen die kalte Zeit mit wenigen Griffen: spät einräumen, hell und kühl stellen, sparsam gießen. Winterharte Arten dürfen draußen bleiben, brauchen aber einen dämmenden Mantel um den Topf und Wasser an frostfreien Tagen.
Von Denise ·
Der Spätherbst ist da, die ersten Frostnächte klopfen an, und auf dem Balkon steht noch der Oleander. Muss der jetzt sofort in den Keller? Meist nicht, und das ist die erste gute Nachricht dieses Ratgebers. Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt, Kübelpflanzen möglichst spät im Herbst einzuräumen und möglichst früh im Frühjahr wieder hinauszustellen. Die Begründung gefällt allen, die noch nichts geschleppt haben: Die Zeit unter oft schlechten Bedingungen im Quartier bleibt kurz, und Kältereize fördern oft auch die Blütenbildung.
Die zweite gute Nachricht: Hexenwerk ist das Überwintern nicht. Gartenakademien mehrerer Länder, die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und das Pflanzenschutzamt Berlin kommen im Kern zu ähnlichen Regeln, auch wenn einzelne Gradzahlen und Termine voneinander abweichen. Es geht vor allem um drei Dinge: Licht, Temperatur und die Gießkanne.
Was zuerst rein muss Entscheidend ist, wie viel Kälte eine Pflanze verträgt. Vor den ersten Frösten brauchen laut Bayerischer Gartenakademie tropische Arten wie Zierbanane, Papyrus, Bougainvillea, Engelstrompete und Duft-Pelargonien ihr Quartier. Schönmalve, Bleiwurz, Citrus-Arten und Oleander überstehen Temperaturen knapp unter null. Feigen, Oliven, Lorbeer und Rosmarin ziehen erst um, wenn es dauerhaft kälter als minus fünf Grad wird. Junge Pflanzen sind empfindlicher als ältere, stark gedüngte und reichlich gewässerte ebenfalls, weil sie weiches Gewebe bilden.
Für einzelne kalte Nächte reicht oft ein Trick: Töpfe zusammenrücken und mit Vlies oder einem Betttuch abdecken. Ende Oktober und im November bleibt es laut Gartenakademie oft bei wenigen Tagen mit leichtem Frost, und die lassen sich so überbrücken.
So gelingt der Umzug Topfballen vorher etwas abtrocknen lassen und Untersetzer entfernen. Trockene Kübel sind außerdem leichter. Auf Schädlinge prüfen, denn im Winterquartier finden sie oft gute Bedingungen. Befallene Pflanzen separat stellen. Verblühtes und Abgestorbenes entfernen, das beugt Grauschimmel vor. Wer zurückschneidet, tut das nicht direkt vor dem Einräumen: Die Schnittflächen sollen erst abtrocknen. Oleander im Herbst schonen. Ein Schnitt jetzt kostet die Blüte im nächsten Jahr. Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz rät sonst, Pflanzen um etwa ein Drittel zu kürzen, Fuchsien um die Hälfte und Engelstrompeten bis auf einen kurzen Stummel. Geranien kürzt man demnach auf vier bis fünf Austriebsstellen.
Hell und kühl: das richtige Quartier Ideal sind nach Angaben der Bayerischen Gartenakademie helle Plätze mit fünf bis zwölf Grad, etwa helle Kellerräume oder kühle Wohnräume. Weniger empfindliche Pflanzen kommen auch in der Garage oder im Kellerschacht zurecht. Das Pflanzenschutzamt Berlin nennt zudem das helle, ungeheizte Treppenhaus, dann aber bitte nach einem Gespräch mit den Nachbarn.
Eine Faustregel steht bei den Gartenakademien in Bayern, Rheinland-Pfalz und Sachsen gleichermaßen: Je dunkler der Raum, desto kühler muss er sein. Dass im Quartier Blätter fallen, ist kein Grund zur Panik. Die Sächsische Gartenakademie beschreibt laufenden Laubfall als normal, auch bei Immergrünen. Abgefallenes gehört allerdings weg, damit sich keine Pilzkrankheiten ausbreiten.
An sonnigen, frostfreien Tagen heißt es lüften, und ein paar Steine und ein Lattenrost unter den Kübeln helfen gegen Fußkälte, rät das Berliner Amt. Und wer gar keinen Platz hat: Einige Gärtnereien nehmen Kübelpflanzen gegen Entgelt in Winterpflege.
Geranien haben noch eine Sonderroute. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen beschreibt, wie sie ohne Topf überwintern: Schwache Triebe kommen ganz ab, die Haupttriebe werden stark gekürzt, die Erde kommt komplett aus dem Ballen, die Wurzeln werden eingekürzt, und dann hängt jede Pflanze einzeln an einer Schnur im Keller. Mitte März kommen sie in frische Balkonerde.
Gießen: weniger, als du denkst Im Winterquartier ist die Gießkanne seltener gefragt als im Sommer. Die Sächsische Gartenakademie empfiehlt, den Ballen in der Regel einmal pro Woche zu kontrollieren und die Pflanzen lieber etwas trockener als zu feucht zu halten. Ist der Ballen trocken, bekommt er so viel Wasser, dass er ganz durchfeuchtet, statt nur einen Schluck obenauf. Ein Signal zum Gießen ist laut Bayerischer Gartenakademie auch Erde, die sich vom Topfrand löst.
Je kälter der Raum, desto seltener ist Wasser nötig. Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz nennt grobe Abstände von zwei bis vier Wochen. Wer sein Laub abwirft, kommt mit weniger aus als immergrüne Arten. Bleibt der Ballen zu nass und zu kalt, freuen sich wurzelschädigende Pilze, warnt das Pflanzenschutzamt Berlin.
Was draußen bleiben darf Winterharte Stauden, Gräser und Gehölze können im Freien überwintern, Bambus und Buchsbaum zum Beispiel am besten an der Hauswand. Doch winterhart im Beet heißt nicht automatisch sicher im Topf. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau erklärt, warum: Im Kübel kommt der Frost von überall heran, der Ballen friert viel rascher durch, und Wurzeln vertragen Minusgrade weit schlechter als die oberirdischen Triebe. Zuerst leiden die feinen Faserwurzeln an der Topfinnenwand. Deshalb gilt:
Nur frostfeste Gefäße draußen lassen, sonst können sie zerspringen. Den Topf einpacken, nicht die Pflanze: etwa mit Luftpolsterfolie, dickem Jutegewebe oder Schafwollvlies, auch an Oberfläche und Boden. Kübel auf Tonfüße oder Holzkeile stellen, Untersetzer weg, Abzugsloch frei. Kübel zusammenrücken und an eine geschützte Hauswand stellen, Balkonkästen von der Brüstung auf den Boden holen. Möglichst schattig stellen, etwa an der Nordseite: Viele Winterschäden entstehen durch den schnellen Wechsel von Frost und Auftauen in der Sonne. In rauen Lagen oder bei langen Frostperioden ist das Eingraben der Töpfe im Garten laut Gartenakademie Rheinland-Pfalz die sicherste Methode. Fürs Balkonleben fällt das natürlich aus, das Einpacken bleibt.
Erfroren? Oft eher verdurstet Immergrüne Pflanzen verdunsten auch in der kalten Jahreszeit Wasser, vor allem an sonnigen, windigen Tagen. Aus gefrorener Erde können sie es aber nicht nachziehen. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen nennt das Frosttrocknis: Die Pflanzen erfrieren nicht, sie vertrocknen, und das wird oft mit Frostschäden verwechselt.
Besonders durstig sind Bambus, Buchsbaum, Kirschlorbeer, Rhododendron, Stechpalme und Nadelgehölze, und gerade Kübel unter dem Dachvorsprung brauchen Hilfe, weil der Regen oft nicht reicht. Also an frostfreien Tagen zur Gießkanne greifen, wenn die Erde trocken ist, und so viel gießen, dass Wasser unten aus dem Topf läuft. Bei großen Kübeln können das durchaus zehn Liter sein. Gedüngt wird im Winter nicht.
Und im Frühjahr? Außer den tropischen Arten sollen laut Pflanzenschutzamt Berlin alle Kübelpflanzen spätestens im April wieder draußen stehen, bei drohendem Spätfrost geschützt. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen nennt Mitte Mai als Termin fürs Ausräumen. Am besten geht es an einem bedeckten Tag und zunächst in den Halbschatten, denn die Pflanzen haben im Winter die Sonne verlernt und bekommen schnell Sonnenbrand. Mit ein paar Handgriffen jetzt stehen die Chancen also gut, dass die alten Bekannten im nächsten Jahr wieder auf den Balkon ziehen.
Themen: Kübelpflanzen, Balkonpflanzen, Überwintern, Winterquartier, Frostschutz, Gartentipps, Oleander, Geranien
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