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Aus Dankbarkeit wird Forschung: Patientin stiftet Preis gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs
Mini-Tumoren aus dem Labor sollen zeigen, welche Chemotherapie wirkt. Ein neuer Förderpreis in Erlangen bringt die Idee voran.
Von Ulrike ·
Manchmal beginnt Forschung nicht im Labor, sondern mit einem Dankeschön. Die Erlangerin Marion Wucherer wurde 2020 in der Chirurgischen Klinik des Uniklinikums Erlangen wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs operiert. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Prof. Dr. Klaus Wucherer hat sie nun einen Förderpreis gestiftet, der von jetzt an jedes Jahr innovative Forschung zu dieser Krebsart auszeichnen soll. Am 23. Oktober 2026 wurde der Marion-Wucherer-Förderpreis zum ersten Mal verliehen – an ein Projekt, das Betroffenen künftig unwirksame Behandlungen ersparen soll.
55.000 Euro für eine kluge Frage Der erste Preisträger ist PD Dr. Maximilian Brunner, geschäftsführender Oberarzt der Chirurgie am Uniklinikum Erlangen. Er erhält 50.000 Euro für seine Forschung und zusätzlich 5.000 Euro als persönliche Auszeichnung. Überreicht wurde der Preis beim ersten Pancreatic Cancer Symposium Erlangen im Translational Research Center. Dort ging es um aktuelle Standards der Bauchspeicheldrüsenchirurgie und um translationale Forschung, also um den Weg von Erkenntnissen aus dem Labor hin zur Behandlung. Den Festvortrag hielt der Pankreaschirurg Prof. Dr. Marc Besselink vom Amsterdam University Medical Center.
Für Klinikdirektor Prof. Dr. Robert Grützmann ist die Auszeichnung etwas sehr Persönliches: Er erinnerte daran, dass sein Team Marion Wucherer vor mehr als sechs Jahren operiert hat. Dass aus dieser Begegnung nun Unterstützung für die Forschung wird, „bewegt mich persönlich sehr“, sagt er.
Warum die Zeit nach der Operation so wichtig ist Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt nach Angaben des Uniklinikums zu den aggressivsten Krebserkrankungen. In Deutschland erkrankten laut Zentrum für Krebsregisterdaten im Jahr 2023 etwa 19.900 Menschen daran, 9.830 Frauen und 10.030 Männer. Selbst wenn der Tumor erfolgreich entfernt wurde, bleibt ein hohes Risiko, dass er zurückkehrt. Für viele Patientinnen und Patienten ist deshalb eine Chemotherapie nach der Operation ein entscheidender Teil der Behandlung.
Die Schwierigkeit: Nicht jeder Tumor spricht gleich gut auf dieselben Medikamente an. Wer vorher wüsste, welches Mittel beim eigenen Tumor wirkt, könnte sich Behandlungen ohne Nutzen und deren Nebenwirkungen sparen.
Mini-Tumoren als Testlabor Genau hier setzt Brunners Projekt an. Aus dem Tumorgewebe einzelner Patientinnen und Patienten werden im Labor sogenannte Organoide gezüchtet: dreidimensionale Zellgebilde, die wichtige Eigenschaften des ursprünglichen Tumors nachbilden. An diesen Mini-Tumoren lässt sich außerhalb des Körpers prüfen, wie gut verschiedene Medikamente wirken. So soll sich künftig vorhersagen lassen, welche Chemotherapie nach der Operation bei einem bestimmten Menschen anschlägt. Die Ziele: unwirksame Behandlungen vermeiden, Nebenwirkungen verringern und die Heilungschancen verbessern.
Grützmann beschreibt die Richtung so: weg davon, dass Menschen mit vergleichbarem Tumorstadium weitgehend dieselbe Therapie bekommen, hin zu einer Behandlung, die individuell auf die Biologie des jeweiligen Tumors abgestimmt ist. „Patientenspezifische Organoide könnten dabei eine wichtige Rolle spielen“, sagt er.
Noch ein Forschungsansatz – aber einer mit Rückenwind Dabei bleibt der Klinikdirektor vorsichtig. Ob die Organoide das Ansprechen auf eine Therapie tatsächlich zuverlässig vorhersagen, „müssen wir in wissenschaftlichen Studien untersuchen“, sagt Grützmann. Der Preis ist also kein Versprechen auf eine neue Behandlung, sondern Rückenwind für die Forschung, die genau diese Frage klären soll.
Erlangen ist mit der Idee nicht allein. Das Universitätsklinikum Ulm hat im Oktober 2025 die Studie UNITEPANC vorgestellt, die die Stiftung Deutsche Krebshilfe finanziert. An mehreren deutschen Zentren sollen insgesamt 92 Patientinnen und Patienten teilnehmen. Ihre Organoide werden auf zugelassene Chemotherapien getestet, mit dem Ziel, innerhalb von zwölf Wochen nach der Operation eine darauf gestützte Therapieempfehlung zu erstellen. „Organoide bilden die Biologie eines Tumors erstaunlich realistisch nach“, sagt der Ulmer Co-Studienleiter Prof. Dr. Alexander Kleger.
Ein Dank, der weiterwirkt Das Uniklinikum hebt die enge Verbundenheit der Familie Wucherer mit Erlangen, dem Uniklinikum und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hervor. Weil der Preis künftig jährlich vergeben werden soll, wird aus einer persönlichen Geschichte etwas Dauerhaftes: ein fester Anstoß für Forschung, von der eines Tages viele Menschen mit derselben Diagnose profitieren könnten.
Themen: Bauchspeicheldrüsenkrebs, Krebsforschung, Organoide, Chemotherapie, Personalisierte Medizin, Erlangen, Medizin
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