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Aus Abfall wird Rohstoff: Trierer Start-up entwickelt Zutaten aus Mangokernen
Mangokerne gelten oft als Abfall. Das Trierer Start-up Mangolade entwickelt daraus Zutaten und erhält dafür einen Preis.
Von Tobias ·
Wer schon einmal eine Mango zerlegt hat, kennt das Ende der Geschichte: Das Fruchtfleisch landet auf dem Teller, der große Kern im Müll. In den Betrieben, die Mangos im großen Stil verarbeiten, bleibt er ebenfalls als Nebenprodukt übrig. Das Start-up Mangolade aus Trier sieht darin keinen Rest, sondern einen Rohstoff, und will aus den Kernen Zutaten für die Lebensmittelindustrie machen.
Für diese Idee gab es nun eine Auszeichnung: Beim rheinland-pfälzischen Gründungspreis „Pioniergeist 2026“ erhielt Mangolade den Sonderpreis Nachhaltigkeit. Der ist mit 1.500 Euro überschaubar dotiert, und der Hauptpreis ging an eine andere Firma. Trotzdem lenkt er den Blick auf eine Frage, die weit über Trier hinausreicht: Was lässt sich aus dem machen, was bisher kaum jemand nutzt?
Butter aus dem Kern „Es ist doch verrückt, dass wir jedes Jahr tonnenweise Mangokerne wegwerfen“, sagte Gründerin Kathrin Schumilin im Frühjahr 2025 dem Fachmagazin Lebensmittel Praxis. Sie studierte damals an der Universität Bonn molekulare Lebensmitteltechnologie und stieß bei ihrer Forschung zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung auf die Kerne. Diese enthalten Fette, Proteine und Mineralstoffe; das Fachmagazin vergleicht sie ernährungsphysiologisch mit Nüssen.
Besonders interessant ist das Fett. Daraus lässt sich Mangobutter gewinnen, die nach Schumilins Angaben neutral schmeckt, mit einem leicht nussigen Unterton. Weil ihr Fettsäureprofil dem der Kakaobutter laut Schumilin nahezu gleicht, soll sie ein ähnliches Mundgefühl und das typische Knacken von Schokolade liefern. Ganz deckungsgleich sind die Fette allerdings nicht: In einer Fachstudie von 2012 wich vor allem der Anteil der Palmitinsäure deutlich ab, mit gut 5 Prozent im Mangokernfett gegenüber knapp 26 Prozent in Kakaobutter. Denkbar sind etwa Tafeln, Pralinen, Riegelfüllungen oder Keksüberzüge. Allzu üppig ist die Quelle allerdings nicht: Mangokerne enthalten je nach Untersuchung nur etwa 7 bis 16 Prozent Fett. Daneben arbeitet das Team auch mit Mangomehl, das Backwaren nussige, kakaoartige Noten geben soll.
Warum Kakao-Alternativen ein Thema sind Der Blick auf den Kakaomarkt erklärt das Interesse. Von 2014 bis 2024 legten die weltweiten Kakaopreise laut Lebensmittel Praxis um 177 Prozent zu, und der Anbau leidet unter dem Klimawandel und Pflanzenkrankheiten. Zuletzt hat sich der Markt zwar beruhigt: Nach dem Rekord von rund 12.900 US-Dollar je Tonne im Dezember 2024 lag der Preis Anfang November 2026 bei etwa 5.400 Dollar. Das Preisargument ist damit schwächer geworden, die Anfälligkeit des Anbaus bleibt.
Ganz neu ist der Gedanke übrigens nicht: Mangokernöl wird bereits in der Schokoladenherstellung verwendet, weil es mild schmeckt und sich ähnlich verhält wie Kakaobutter. Genau hier liegt aber auch eine Grenze. Laut Kakao-Verordnung dürfen solche Pflanzenfette, zu denen auch Mangokern zählt, höchstens 5 Prozent eines fertigen Schokoladenerzeugnisses ausmachen, und auf der Packung muss ein Hinweis darauf stehen. Die Kerne werden die Tafel Schokolade also nicht über Nacht neu erfinden.
Viel Lob, offene Fragen Für Mangolade ist es nicht die erste Anerkennung. 2025 belegte das aus der Universität Bonn hervorgegangene Start-up den zweiten Platz beim NRW Female Innovation Award, im Oktober desselben Jahres gewann es bei den MassChallenge Switzerland Awards in Lausanne den Silver Prize mit 10.000 Schweizer Franken. Zudem gehörte es 2024 zum Seedbed-Inkubatorprogramm des europäischen Lebensmittel-Netzwerks EIT Food. Bei der Pioniergeist-Verleihung im Foyer der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz in Mainz lobte Stefan Hackbart, Generalbevollmächtigter der Volksbank Darmstadt Mainz, dass Mangolades nachhaltiges Geschäftsmodell wissenschaftliche Forschung mit Kreislaufwirtschaft verbinde. Den Preis übergab er im Namen der 31 Volksbanken und Raiffeisenbanken im Land.
Wie weit der Weg in die Supermarktregale noch ist, bleibt offen. 2024 hieß es von Mangolade, man arbeite an der Ausweitung der Produktion und wolle bald in ausgewählten Märkten starten. Zu aktuellen Mengen, Kunden oder einem Verkaufsstart fanden sich in den öffentlich zugänglichen Quellen keine Angaben. Auch die Idee, nicht lebensmitteltaugliche Teile des Kerns einmal zu Biokohle oder Bodenverbesserern zu verarbeiten, ist bislang ein Blick in die Zukunft.
Ein Zeichen setzt der Preis dennoch: Der Wettbewerb zeichnete in diesem Jahr fünf Unternehmen aus Rheinland-Pfalz mit insgesamt 36.500 Euro aus, und eines davon setzt auf etwas, das die meisten von uns bisher achtlos entsorgen. Beim nächsten Mango-Abend darf man den Kern also ruhig einen Moment länger anschauen.
Themen: Mangolade, Mangokerne, Trier, Start-up, Pioniergeist, Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, Lebensmittel
Aus Abfall wird Rohstoff: Trierer Start-up entwickelt Zutaten aus Mangokernen