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Atlantik ohne Hurrikan: Warum die Saison 2026 einen ungewöhnlichen Rekord aufstellt
So spät wie nie in der Satellitenära blieb der Atlantik 2026 ohne Hurrikan. El Niño spielt dabei die Hauptrolle.
Von Max ·
Atlantik ohne Hurrikan: Warum die Saison 2026 einen ungewöhnlichen Rekord aufstellt Der Atlantik erlebt derzeit eine bemerkenswerte Atempause. Obwohl die Hurrikansaison längst ihren statistischen Höhepunkt überschritten hat, ist 2026 bislang kein einziger Hurrikan entstanden. Für die moderne Satellitenära seit 1966 ist das außergewöhnlich – noch nie musste man so lange auf den ersten Hurrikan einer Saison warten.
Normalerweise sieht die Lage Ende September deutlich turbulenter aus. Im Durchschnitt entsteht der erste Atlantik-Hurrikan bereits Anfang bis Mitte August. Rund um den 10. September erreicht die Aktivität gewöhnlich ihren Höhepunkt. In einer durchschnittlichen Saison gibt es insgesamt etwa 14 benannte Stürme, sieben Hurrikane und drei schwere Hurrikane der Kategorien 3 bis 5.
Selbst Fay blieb knapp unter der Grenze Ganz ruhig ist der Atlantik allerdings nicht. Bis zum 21. September wurden sechs benannte tropische Stürme registriert: Arthur, Bertha, Cristobal, Dolly, Edouard und Fay. Doch keiner von ihnen erreichte Hurrikanstärke.
Fay kam am nächsten heran. Am frühen 21. September erreichte der Sturm maximale anhaltende Windgeschwindigkeiten von rund 110 Kilometern pro Stunde. Für die Einstufung als Hurrikan wären mindestens 119 Kilometer pro Stunde nötig gewesen. Kurz darauf geriet Fay erneut unter starken Windscherungseinfluss und schwächte sich ab.
Auch ein anderer Wert zeigt, wie ungewöhnlich ruhig 2026 bislang verläuft: Die sogenannte Accumulated Cyclone Energy , kurz ACE, lag am 21. September rund 92 Prozent unter dem für diesen Zeitpunkt üblichen Niveau. Dieser Index berücksichtigt nicht nur die Zahl der Stürme, sondern auch deren Stärke und Dauer.
Warum El Niño den Stürmen den Wind aus den Segeln nimmt Der wichtigste Grund liegt Tausende Kilometer entfernt im tropischen Pazifik: El Niño . Das Klimaphänomen verändert großräumige Luftströmungen und verstärkt über Teilen des Atlantiks die sogenannte vertikale Windscherung.
Dabei wehen die Winde in verschiedenen Höhen unterschiedlich stark oder aus unterschiedlichen Richtungen. Für einen entstehenden Hurrikan ist das ungefähr so praktisch wie ein Ventilator beim Kartenhausbauen: Die hoch aufragenden Gewitterwolken werden verschoben, bevor sich ein stabiler Wirbel organisieren kann. NOAA hatte deshalb bereits im August die Wahrscheinlichkeit einer unterdurchschnittlichen Saison auf 75 Prozent erhöht.
Hinzu kommen regional trockenere Luft und atmosphärische Bedingungen, die tropischen Systemen zusätzlich das Leben schwer machen können. Saharaluft beispielsweise kann durch Trockenheit, Wärme und zusätzliche Windscherung die Entwicklung tropischer Wirbelstürme bremsen.
Eine seltene Verschnaufpause – aber die Saison ist noch nicht vorbei Für Küstenregionen rund um Atlantik, Karibik und Golf bedeutet die bisherige Ruhe zunächst eine erfreuliche Verschnaufpause. Weniger starke Wirbelstürme bedeuten potenziell weniger Sturmfluten, Überschwemmungen und Schäden.
Eine endgültige Entwarnung ist das jedoch nicht. Die offizielle Atlantik-Hurrikansaison dauert noch bis zum 30. November , und auch ruhige Jahre können spät im Jahr einzelne starke Stürme hervorbringen. NOAA betont deshalb, dass selbst eine insgesamt unterdurchschnittliche Saison nichts darüber aussagt, ob eine bestimmte Region getroffen wird.
2026 zeigt damit vor allem eines: Selbst in einem warmen Ozean entscheidet nicht ein einzelner Faktor über die Entstehung eines Hurrikans. Ozean, Atmosphäre und globale Klimamuster müssen zusammenspielen – und in diesem Jahr scheint dieses Zusammenspiel im Atlantik bislang erstaunlich wenig Lust auf Wirbelstürme zu haben.
Atlantik ohne Hurrikan: Warum die Saison 2026 einen ungewöhnlichen Rekord aufstellt