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Ascension: Wie ein Vulkanberg zum Nebelwald wurde
Auf der abgelegenen Atlantikinsel Ascension wächst heute ein dichter Nebelwald, wo einst karges Vulkangestein dominierte. Möglich machten das Pflanzungen vor rund 180 Jahren. Forschende untersuchen nun, was wir aus dieser außergewöhnlichen Verwandlung lernen können.
Von Andre ·
Ascension: Wie aus einem kahlen Vulkanberg ein grüner Nebelwald wurde Dunkles Vulkangestein, trockene Hügel und kaum ein Baum in Sicht. Doch wer auf der abgelegenen Atlantikinsel Ascension den höchsten Berg erklimmt, betritt plötzlich eine andere Welt. Zwischen dichtem Blattwerk, Farnen und Bambus liegt feuchter Nebel in der Luft. Statt karger Vulkanlandschaft erwartet Besucher ein tropischer Wald.
Das Erstaunliche daran: Dieser Wald entstand nicht von selbst. Menschen haben ihn angepflanzt. Heute bietet seine Geschichte der Wissenschaft eine seltene Gelegenheit, zu verstehen, wie sich ganze Ökosysteme verändern können.
Wie Darwin und Hooker eine Insel veränderten Die Geschichte beginnt im 19. Jahrhundert. Als der Naturforscher Charles Darwin 1836 Ascension besuchte, war die Insel weitgehend baumlos. Einige Jahre später entwickelte der britische Botaniker Joseph Dalton Hooker einen ungewöhnlichen Plan: Mit gezielten Pflanzungen sollte die Vegetation auf dem Berg zunehmen und mehr Feuchtigkeit aus den Wolken nutzbar werden.
Ab 1847 gelangten Pflanzen aus verschiedenen Teilen der Welt auf die Insel. Über Jahrzehnte wurden mehr als 220 fremde Pflanzenarten eingeführt. Bäume, Sträucher und andere Gewächse breiteten sich aus. Aus den zuvor überwiegend offenen Hängen entwickelte sich eine grüne Landschaft.
Heute trägt der 859 Meter hohe Green Mountain einen dichten, feuchten Wald. Der Berg ist seit 2005 Nationalpark.
In zehn Minuten vom Regenwald in die Wüste Was damals begann, beschäftigt nun Forschende der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona.
Víctor Maull und Nastassia Knödlseder verbrachten gemeinsam einen Monat auf Ascension. Sie untersuchten die Landschaft, werteten historische Aufzeichnungen aus und erforschen, wie Bodenorganismen zur Veränderung des Ökosystems beitragen.
Besonders faszinierend ist der Gegensatz zwischen den Lebensräumen: Innerhalb von nur zehn Minuten lässt sich laut Maull vom feuchten Wald in eine ausgesprochen trockene Vulkanlandschaft gelangen.
Die Forschenden möchten mithilfe ökologischer Modelle verstehen, welche Prozesse diese Entwicklung ermöglicht haben. Langfristig könnten solche Erkenntnisse helfen, die Erholung geschädigter Ökosysteme besser zu erforschen. Noch handelt es sich allerdings um laufende Untersuchungen, nicht um einen fertigen Bauplan für die Begrünung trockener Regionen.
Eine grüne Erfolgsgeschichte mit einer wichtigen Lektion Die Verwandlung hat auch eine Kehrseite. Viele eingeführte Pflanzen konkurrieren heute mit seltenen heimischen Arten. Einige endemische Farne, die ausschließlich auf Ascension vorkommen, sind dadurch bedroht.
Naturschützer arbeiten deshalb daran, die einzigartige ursprüngliche Pflanzenwelt zu bewahren. Dabei gibt es überraschende Wechselwirkungen: Manche heimischen Farne nutzen inzwischen sogar eingeführte Pflanzen als neuen Lebensraum.
Ascension zeigt damit zweierlei: Menschen können Landschaften tiefgreifend verändern. Doch ein grüner Wald ist nicht automatisch ein ökologisch gesunder Wald.
Gerade diese Erkenntnis macht die kleine Atlantikinsel für die Forschung so interessant. Ihre Geschichte erzählt nicht nur davon, wie aus kahlem Gestein ein Wald entstehen kann. Sie erinnert auch daran, dass erfolgreicher Naturschutz die ursprüngliche Artenvielfalt mitdenken muss.
Und manchmal beginnt wissenschaftlicher Fortschritt damit, einen Berg genauer zu betrachten, auf dem vor 180 Jahren jemand die ersten Bäume pflanzte.