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Antarktis-Forschung: Wie ein riesiger Hügel am Meeresboden das Eis lange stabilisierte
Ein gigantischer Sedimentwall am Meeresgrund erzählt, wie das Eis der Antarktis seinen Rückzug einst bremsen konnte.
Von Andre ·
Antarktis-Forschung: Wie ein riesiger Hügel am Meeresboden das Eis lange stabilisierte Ein gigantischer Sedimentwall am Meeresgrund erzählt, wie das Eis der Antarktis seinen Rückzug einst bremsen konnte.
Vor der Küste der Antarktis haben deutsche Forschende eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Tief im Meeresboden liegt ein gewaltiger Wall aus Sand, Schlamm und Gestein. Er ist rund 260 Meter hoch, mehr als 65 Kilometer lang und verrät, wie die Natur den Rückzug riesiger Eismassen über Jahrtausende zeitweise bremsen konnte. Die Erkenntnisse könnten helfen, die Zukunft des antarktischen Eises besser vorherzusagen.
Ein gigantischer Schutzwall aus der Vergangenheit In der Vincennes-Bucht vor der Ostantarktis untersuchte ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Kiel und des Alfred-Wegener-Instituts einen ungewöhnlichen Sedimentkeil.
Mit mehr als 580 Kubikkilometern Volumen handelt es sich um den bislang größten bekannten isolierten Sedimentkeil dieser Art auf einem vergletscherten Kontinentalschelf.
Die Forschenden nutzten Messungen, die 2024 an Bord des deutschen Forschungsschiffes Polarstern entstanden waren. Insgesamt 340 Kilometer hochauflösende seismische Daten ermöglichten ihnen einen detaillierten Blick in den Untergrund – gewissermaßen ein Ultraschallbild des Meeresbodens.
Wie sich das Eis selbst stabilisieren konnte Der entscheidende Vorgang spielte sich wahrscheinlich nach dem Höhepunkt der letzten Eiszeit vor rund 20.000 Jahren ab.
Als sich das Eis zurückzog, traf es auf einen Bereich, in dem sich die Neigung des Meeresbodens veränderte und der Untergrund besonders fest war. Dadurch verlangsamte sich der Rückzug der sogenannten Aufsetzlinie. Das ist die Grenze, an der das Eis den Meeresboden verlässt und auf dem Wasser zu schwimmen beginnt.
Während dieser Ruhephase transportierte das Eis weiterhin Schlamm, Sand und Gestein heran. Das Material lagerte sich ab, der Sedimentwall wuchs und bot dem Eis zunehmend Halt.
Das überraschende Ergebnis: Die Aufsetzlinie verlagerte sich zeitweise sogar wieder rund 65 Kilometer in Richtung Meer. Für die Entstehung des gewaltigen Sedimentkeils veranschlagen die Forschenden anhand einer vereinfachten Modellrechnung ungefähr 4.000 Jahre.
Warum diese Entdeckung für die Zukunft wichtig ist Lange konzentrierten sich Prognosen zum antarktischen Eis vor allem auf Temperaturen, Meeresströmungen und die Form des Untergrunds. Die neue Studie zeigt nun besonders anschaulich, wie wichtig auch dessen Beschaffenheit und die Ablagerung von Sedimenten sein können.
Das ist bedeutend, denn die Antarktis verliert weiterhin Eis. Nach Satellitenauswertungen der NASA waren es zwischen 2002 und 2025 durchschnittlich etwa 135 Milliarden Tonnen pro Jahr.
Der entdeckte Schutzmechanismus bedeutet deshalb nicht, dass die heutige Eisschmelze gestoppt wäre. Die Studie rekonstruiert vielmehr einen Vorgang aus der Vergangenheit.
Die gute Nachricht liegt im Erkenntnisgewinn: Forschende verstehen nun genauer, warum sich Eis an manchen Stellen langsamer zurückzieht als an anderen. Dieses Wissen kann Klimamodelle verbessern und damit helfen, den zukünftigen Meeresspiegelanstieg zuverlässiger einzuschätzen.
Manchmal liegt ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis unserer Zukunft eben nicht im Eis selbst, sondern tief darunter.
Themen: Antarktis-Forschung, Eisschmelze, Klimawandel, Sedimentwall, Meeresspiegelanstieg, Klimamodelle, Polarstern
Antarktis-Forschung: Wie ein riesiger Hügel am Meeresboden das Eis lange stabilisierte