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Ansteckendes Lachen: Das Gehirn bereitet schon beim Zuhören das Mitlachen vor
Wer andere lachen hört, lacht oft einfach mit – selbst ohne den Witz zu kennen. Hirnscans zeigen: Schon das Geräusch aktiviert eine Region, die unsere Gesichtsmuskeln startklar macht. Und laut einer kleinen Studie setzt Lachen mit Freunden im Gehirn Wohlfühlstoffe frei.
Von Madalina ·
Draußen wird es früh dunkel, der Nebel hängt über den Straßen, und die Woche hat ihre Mitte erreicht. Und dann reicht manchmal ein einziges glucksendes Lachen am Nachbartisch, und plötzlich grinst du mit, obwohl du keine Ahnung hast, worum es geht. Dieses Mitlachen ist kein Zufall und keine Schwäche. Forschende unter anderem in London, Oxford, Turku und Tübingen haben sich angesehen, was dabei im Kopf passiert. Ihre Befunde sind eine gute Nachricht für graue Novembertage: Lachen springt über, und es verbindet.
Das Gehirn hört Lachen und macht sich bereit Ein Team des University College London (UCL) und des Imperial College London um die Neurowissenschaftlerin Sophie Scott vom UCL spielte Versuchspersonen verschiedene Geräusche vor, während ein Magnetresonanztomograf ihre Hirnaktivität aufzeichnete. Zu hören waren angenehme Laute wie Lachen und Jubelrufe, aber auch unangenehme wie Schreie und Würgegeräusche. Die Studie erschien im Dezember 2006 im Journal of Neuroscience.
Das Ergebnis: Alle Geräusche aktivierten den prämotorischen Kortex, also jenen Bereich, der die Gesichtsmuskeln auf eine passende Reaktion vorbereitet. Bei den fröhlichen Geräuschen fiel diese Reaktion jedoch stärker aus. Positive Laute wirken demnach ansteckender als negative. Scott deutete das so: Das Gehirn bereitet uns automatisch darauf vor, zu lächeln oder zu lachen, und bietet damit eine Möglichkeit, das Verhalten anderer zu spiegeln. Das könne eine wichtige Rolle dabei spielen, starke Bindungen innerhalb einer Gruppe aufzubauen.
Wir lachen vor allem miteinander Dass Lachen ein soziales Geschehen ist, hatte auch der US-Psychologe Robert Provine von der University of Maryland, Baltimore County, beobachtet. Sein Versuch, Lachen im Labor mit Comedy-Videos hervorzurufen, scheiterte. Also zog er los in Studentenzentren, Innenstädte und Einkaufszentren und notierte dort, wann Menschen lachen. Sein Befund: Wir lachen etwa 30-mal häufiger in Gesellschaft als allein. Und meistens lachen wir gar nicht über einen Witz.
Provine sah im ansteckenden Lachen auch den Grund, warum Fernsehsendungen mit eingespielten Lachern arbeiten. Sophie Scott beschreibt Lachen ebenfalls vor allem als Signal: Wir lachen, um Zugehörigkeit, Zustimmung und Zuneigung zu zeigen. Besonders leicht lassen wir uns anstecken, wenn wir die lachende Person kennen.
Freunde lachen anders als Fremde Wie fein unser Ohr für solche Signale ist, zeigt eine Studie, die 2016 in der Fachzeitschrift PNAS erschien. Ein internationales Team um Greg Bryant von der University of California, Los Angeles, spielte 966 Menschen aus 24 Gesellschaften kurze Tonaufnahmen vor, auf denen jeweils zwei Personen gemeinsam lachten. Mal waren es Freunde, mal Menschen, die sich gerade erst kennengelernt hatten. Unter den Zuhörenden waren Studierende, Menschen aus Städten und Angehörige kleiner traditioneller Gemeinschaften, darunter Jäger und Sammler.
Insgesamt lagen die Zuhörenden in 61 Prozent der Fälle richtig. Bei zwei lachenden Freundinnen erkannten sie die Freundschaft sogar in über 80 Prozent der Fälle. Gemeinsames Lachen verrät also offenbar etwas über die Beziehung der Lachenden, und zwar über Kulturgrenzen hinweg.
Lachen mit Freunden setzt Endorphine frei Was gemeinsames Lachen im Körper bewirkt, untersuchten Forschende des Turku PET Centre in Finnland, der Universität Oxford und der finnischen Aalto-Universität. Sie maßen bei zwölf Freiwilligen per Positronen-Emissions-Tomografie, wie viele körpereigene Opioide im Gehirn freigesetzt werden: einmal, nachdem die Teilnehmenden mit engen Freunden gelacht hatten, und einmal nach einer vergleichbar langen Zeit allein im Labor. Die Studie erschien 2017 im Journal of Neuroscience.
Nach dem gemeinsamen Lachen berichteten die Teilnehmenden von angenehmen Gefühlen, und in Hirnregionen, die Erregung und Emotionen steuern, wurden messbar mehr Endorphine und verwandte Botenstoffe ausgeschüttet. Zudem lachten Menschen mit mehr Opioid-Rezeptoren während des Experiments häufiger. Lauri Nummenmaa vom Turku PET Centre vermutet, dass die angenehme und beruhigende Wirkung Sicherheit signalisiert und das Gefühl von Zusammengehörigkeit stärkt.
Robin Dunbar von der Universität Oxford, ebenfalls an der Studie beteiligt, sieht darin eine mögliche Erklärung dafür, dass menschliche soziale Netzwerke so viel größer werden konnten. Andere Primaten pflegen ihre Beziehungen, indem sie sich gegenseitig das Fell pflegen, was viel Zeit kostet. Lachen dagegen ist ansteckend, und so könne sich die Endorphinwirkung leicht auf eine ganze Gruppe übertragen, die gemeinsam lacht. Bisher ist das allerdings ein Befund an einer kleinen Gruppe von Versuchspersonen, kein endgültiger Beweis.
Tübingen: Das Gehirn unterscheidet Arten des Lachens Auch in Deutschland wird erforscht, wie das Gehirn Lachen verarbeitet. An der Universität Tübingen ließ ein Team um Diana Szameitat und Dirk Wildgruber von der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie 18 Versuchspersonen im Magnetresonanztomografen drei Arten von Lachen hören: Freudenlachen, Hohnlachen und Kitzellachen. Die 2013 in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlichte Studie zeigte, dass das Gehirn diese Lacharten über teils unterschiedliche, sich überlappende Netzwerke verarbeitet. Fröhliches und spöttisches Lachen verknüpften die Hörbereiche stärker mit Regionen, die mit dem Erschließen der Absichten anderer in Verbindung gebracht werden.
Als einen Knotenpunkt dieses Netzwerks machten die Forschenden einen Bereich im rechten Stirnhirn nahe der motorischen Hirnrinde aus. Für den Alltag heißt das: Unser Gehirn registriert nicht nur, dass jemand lacht, sondern unterscheidet auch, was für ein Lachen es ist. Freudenlachen und Auslachen sind eben zweierlei.
Gemeinsam lachen, gemeinsam leichter Sophie Scott verweist auch auf Beobachtungen des Forschers Robert Levenson, der Paare über Jahre ihrer Ehe begleitete. Gerieten Paare bei schwierigen Gesprächsthemen unter Stress, fühlten sich jene besser, die mit Lachen oder Lächeln reagierten. Diese Paare waren zudem glücklicher und blieben länger zusammen. Der Haken: Es klappte nur, wenn beide mitlachten. Scott sieht im gemeinsamen Lachen deshalb mehr als ein freundliches Signal, nämlich eine Art, die eigenen Gefühle gemeinsam ins Lot zu bringen.
Ein Allheilmittel ist Lachen nicht, und wer sich über längere Zeit niedergeschlagen fühlt, sollte sich ärztlich oder psychotherapeutisch beraten lassen. Aber für einen trüben Novemberabend liefert die Forschung eine schöne Anregung: Lachen gelingt am besten zusammen. Ein Abend mit Menschen, die du magst, ist also nicht nur gemütlich, sondern lädt dein Gehirn ganz von selbst zum Mitlachen ein.
Themen: Ansteckendes Lachen, Lachen, Gehirn, Endorphine, Freundschaft, Lachforschung, Gemeinschaft
Ansteckendes Lachen: Das Gehirn bereitet schon beim Zuhören das Mitlachen vor