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Amazonas-Brände 2025: Brandfläche sinkt auf tiefsten Stand seit 1985
Nach dem verheerenden Ausnahmejahr 2024 hat sich die Entwicklung im brasilianischen Amazonasgebiet überraschend deutlich gedreht: 2025 verbrannte dort so wenig Fläche wie in keinem anderen Jahr seit Beginn der Satellitenauswertung 1985. Der Rückgang zeigt, wie schnell konsequenter Waldschutz, bessere Vorbereitung und günstigere Bedingungen Wirkung entfalten können – aber auch, warum die Erfolge noch nicht dauerhaft gesichert sind
Von Max ·
Eine überraschende Wende nach dem Rekordjahr Noch 2024 hatten außergewöhnliche Trockenheit, hohe Temperaturen und zahlreiche von Menschen ausgelöste Feuer den brasilianischen Amazonas schwer getroffen. Nach der nun aktualisierten Langzeitmessung von MapBiomas brannten damals rund 15,8 Millionen Hektar – der höchste Wert der 1985 beginnenden Datenreihe.
Nur ein Jahr später zeigt sich ein völlig anderes Bild: 2025 wurden rund 3,1 Millionen Hektar Brandfläche registriert. Das entspricht etwa 31.000 Quadratkilometern und einem Rückgang von gut 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch nie seit Beginn der 41-jährigen Auswertung war die verbrannte Fläche im brasilianischen Amazonas-Biom geringer.
Auch im gesamten Land ging die Brandfläche deutlich zurück. Brasilien verzeichnete 2025 insgesamt 12,7 Millionen verbrannte Hektar. Das waren 31 Prozent weniger als der langfristige Jahresdurchschnitt von 18,4 Millionen Hektar und der niedrigste landesweite Wert seit 2018. Damit wurde eine mehrjährige Phase wachsender Brandflächen zunächst unterbrochen.
Was hinter dem starken Rückgang steckt Eine einzelne Ursache erklärt die Entwicklung nicht. Vielmehr kamen mehrere Faktoren zusammen.
Nach Einschätzung der MapBiomas-Koordinatorin Ane Alencar verschob eine verspätete Regenzeit zwischen Ende 2024 und Anfang 2025 in manchen Regionen das übliche Zeitfenster für landwirtschaftliche Feuer. Dadurch konnten geplante Verbrennungen nicht unter den sonst bevorzugten Bedingungen stattfinden. Solche Feuer werden unter anderem eingesetzt, um Vegetation auf Weiden oder Agrarflächen zu beseitigen. Werden sie schlecht kontrolliert, können sie auf benachbarte Wälder übergreifen.
Hinzu kam ein Rückgang der Entwaldung. Das brasilianische Weltraumforschungsinstitut INPE schätzte den Waldverlust in der sogenannten Legal Amazon zwischen August 2024 und Juli 2025 auf 5.796 Quadratkilometer. Das waren 11,08 Prozent weniger als im vorherigen Erfassungszeitraum. Acht der neun Bundesstaaten der Region meldeten rückläufige Werte; lediglich Mato Grosso verzeichnete einen Anstieg. Weniger neue Rodungsflächen bedeuten zugleich weniger Flächen, auf denen gefällte Vegetation anschließend verbrannt werden kann.
Auch die Erfahrungen des Krisenjahres 2024 spielten offenbar eine Rolle. In zahlreichen Gemeinden war die Sorge vor einer Wiederholung der außer Kontrolle geratenen Feuer groß. Lokale Akteure reagierten deshalb vorsichtiger, meldeten Brände früher oder griffen schneller ein. Dieser Lerneffekt lässt sich nur schwer in Zahlen ausdrücken, zeigt aber, wie wichtig Bewusstsein und lokale Einsatzbereitschaft neben technischen Frühwarnsystemen sind.
Wie Satelliten verbrannte Flächen erkennen Die Daten stammen nicht aus einer einfachen Zählung gemeldeter Brände. MapBiomas wertet Bilder der Landsat-Satelliten mit einer räumlichen Auflösung von 30 Metern aus. Algorithmen des maschinellen Lernens suchen nach charakteristischen Veränderungen der Vegetation und des Bodens, die nach einem Feuer zurückbleiben. Dafür werden die Modelle mit Beispielen verbrannter und nicht verbrannter Gebiete aus unterschiedlichen Regionen trainiert und mit weiteren Satelliten- und Referenzdaten abgeglichen.
Diese Methode erfasst sogenannte Brandnarben. Sie zeigt also, wie groß die tatsächlich betroffene Fläche war – unabhängig davon, ob dort ein einzelnes großes Feuer oder mehrere kleinere Feuer brannten.
Gleichzeitig ist die Bezeichnung „Waldbrandfläche“ missverständlich. Im brasilianischen Amazonas-Biom liegen nicht nur geschlossene Wälder, sondern auch Weiden, landwirtschaftliche Flächen und bereits veränderte Landschaften. Nach MapBiomas überwiegen die Feuer in der Amazonasregion sogar auf vom Menschen geprägten Flächen wie Weideland. Das macht den Rückgang nicht weniger bedeutsam, erklärt aber, warum „3,1 Millionen Hektar verbrannter Regenwald“ ebenfalls keine korrekte Beschreibung wäre.
Ein gutes Jahr ist noch keine dauerhafte Trendwende Trotz des Rekordtiefs bleiben 3,1 Millionen verbrannte Hektar eine große Fläche. Besonders problematisch ist die Wiederholung von Feuern an denselben Orten.
Insgesamt haben 64 Prozent der seit 1985 in Brasilien verbrannten Gebiete mehr als einmal gebrannt. In der Amazonasregion sind die Abstände besonders kurz: Rund 31,6 Prozent der dort wiederholt betroffenen Flächen brennen innerhalb von höchstens zwei Jahren erneut. Der Vegetation bleibt dann kaum Zeit, sich zu regenerieren. Wiederkehrende Feuer können Wälder austrocknen, Bäume schwächen und das Risiko weiterer Brände zusätzlich erhöhen.
Auch die positive Entwicklung war 2025 nicht in allen Ökosystemen gleich stark. Im Cerrado, der artenreichen Savannenlandschaft Zentralbrasiliens, verbrannten noch immer 8,7 Millionen Hektar. Damit blieb der Cerrado das am stärksten betroffene brasilianische Biom. Das Pantanal erreichte dagegen mit 121.000 Hektar ebenfalls den niedrigsten Wert der Datenreihe. In der Caatinga lag die Brandfläche mit 505.000 Hektar als einzigem Biom über ihrem historischen Durchschnitt.
Warum andere Analysen dennoch hohe Waldverluste melden Auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt eine weitere Auswertung des Monitoring of the Andean Amazon Project, kurz MAAP. Sie bewertet die Feuerfolgen in allen neun Amazonasstaaten und kommt für 2025 auf rund 1,5 Millionen Hektar feuerbedingten Verlust von Primärwald – den dritthöchsten Wert seit 2002.
Beide Ergebnisse können gleichzeitig richtig sein. MapBiomas betrachtet die gesamte verbrannte Fläche innerhalb des brasilianischen Amazonas-Bioms seit 1985. MAAP untersucht dagegen speziell den Verlust ursprünglicher Wälder durch Feuer im gesamten länderübergreifenden Amazonasgebiet. Zeitraum, geografische Abgrenzung und Messgröße unterscheiden sich deutlich.
Die korrekte Einordnung lautet deshalb: Brasiliens Amazonas-Biom hatte 2025 seine kleinste Brandfläche seit mindestens 1985. Der feuerbedingte Schaden an Primärwäldern im gesamten Amazonasbecken blieb nach einer anderen Messmethode dennoch historisch hoch.
Der nächste Belastungstest hat bereits begonnen Die Entwicklung im Jahr 2026 wird zeigen, wie stabil die Fortschritte sind. Anders als in ersten Berichten noch vorsichtig formuliert, hat sich El Niño inzwischen im tropischen Pazifik entwickelt und verstärkt sich.
Die Weltorganisation für Meteorologie erwartet für den Zeitraum Juli bis September 2026 eine schnelle Entwicklung zu einem starken Ereignis. Das US-Klimazentrum NOAA beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass El Niño bis in das Frühjahr 2027 anhält, auf 97 Prozent. Für Oktober bis Dezember 2026 sieht NOAA eine Wahrscheinlichkeit von 81 Prozent für ein sehr starkes Ereignis.
Das bedeutet nicht automatisch, dass es im Amazonas zu einer neuen Feuerkatastrophe kommt. Selbst starke El-Niño-Ereignisse verursachen nicht überall dieselben Folgen. Sie können die Wahrscheinlichkeit längerer Trockenperioden jedoch erhöhen und damit Bedingungen schaffen, unter denen absichtlich gelegte oder unkontrollierte Feuer schneller außer Kontrolle geraten.
Entscheidend wird deshalb sein, den Erfolg von 2025 nicht allein dem Wetter zuzuschreiben. Satellitenüberwachung, frühzeitige Warnungen, ausreichend ausgestattete Feuerwehren und Waldbrandbrigaden, konsequente Kontrollen illegaler Rodungen sowie die Zusammenarbeit mit indigenen und lokalen Gemeinschaften müssen dauerhaft funktionieren. Brasiliens nationale Politik für integriertes Feuermanagement soll genau diese Bereiche stärken und Einsatzkräfte, Überwachung und Prävention besser miteinander verbinden.
Ein Rekord, der zeigt, dass Veränderung möglich ist Das historische Tief ist kein Zeichen dafür, dass die Amazonasregion gerettet wäre. Dafür bleiben die Belastungen durch Entwaldung, Bergbau, Landwirtschaft, wiederkehrende Feuer und zunehmende Klimaextreme zu groß.
Doch das Jahr 2025 liefert einen wichtigen Gegenbeweis zu der Vorstellung, Umweltzerstörung könne nur in eine Richtung verlaufen. Innerhalb eines Jahres sank die Brandfläche im brasilianischen Amazonas-Biom um rund vier Fünftel. Günstigere Wetterbedingungen halfen – doch auch weniger Entwaldung, bessere Vorbereitung und schnelleres lokales Handeln dürften zu dem Ergebnis beigetragen haben.
Die entscheidende Aufgabe besteht nun darin, aus einem außergewöhnlich guten Jahr einen dauerhaften Trend zu machen.
Amazonas-Brände 2025: Brandfläche sinkt auf tiefsten Stand seit 1985