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Aktien für die Rente? Knapp zwei Drittel sagen Ja, bei Jungen sind es 77 Prozent
Wertpapiere gelten vielen als gute Altersvorsorge, den Jungen ganz besonders. Nur mit dem Anfangen hapert es noch oft.
Von Max ·
Lange hieß es, die Deutschen seien ein Volk von Sparbuchsparern, die um die Börse lieber einen Bogen machen. Dieses Bild bekommt Risse. In einer Umfrage des Bundesverbands deutscher Banken halten 65 Prozent der Befragten Aktien und andere Wertpapiere für „gut“ oder „sehr gut“ geeignet, um privat fürs Alter vorzusorgen. Unter den 16- bis 24-Jährigen sind es sogar 77 Prozent.
Für die repräsentative Erhebung hat das Institut infas quo von Ende Juni bis Mitte Juli knapp 2.200 Menschen befragt. Die Ergebnisse wurden Ende Oktober bekannt.
Die Jungen setzen Wertpapiere an die Spitze Auch beim tatsächlichen Verhalten zeigt sich der Wandel. 41 Prozent der Befragten nutzen Wertpapiere für ihre Geldanlage. Knapp vorn liegt zwar weiterhin das Tagesgeld mit 44 Prozent. Bei den Jüngeren aber stehen Wertpapiere klar an erster Stelle.
Das passt zu den Zahlen des Deutschen Aktieninstituts. Demnach besaßen 2025 rund 14,1 Millionen Menschen in Deutschland Aktien, Aktienfonds oder ETFs, zwei Millionen mehr als im Jahr davor. Damit war jede fünfte Person ab 14 Jahren direkt oder indirekt am Aktienmarkt beteiligt. Besonders kräftig wuchs die Gruppe der Unter-40-Jährigen: 4,9 Millionen von ihnen hielten solche Anlagen, 1,2 Millionen mehr als im Vorjahr. Das Institut spricht von einem gesellschaftlichen Rückenwind für die Aktie, der „so stark wie nie“ sei.
Sicherheit bleibt das wichtigste Motiv Wer jetzt an eine Generation von Zockern denkt, liegt falsch. Auch für die Jüngeren ist Sicherheit das meistgenannte Motiv beim Geldanlegen. Und es gibt Gründe, die Menschen von Wertpapieren abhalten: 29 Prozent fehlt schlicht das Geld, 21 Prozent haben Angst vor Verlusten, 18 Prozent fehlt das nötige Wissen.
Beim Wissen sieht es insgesamt gemischt aus. 52 Prozent der Befragten halten ihre eigenen Kenntnisse in Geldfragen für gut. Vier von zehn interessieren sich stark oder sehr stark für Wirtschafts- und Finanzthemen.
Die Kehrseite: Vorsorge wird gern verschoben Offenheit ist allerdings noch kein Plan. 64 Prozent der 16- bis 24-Jährigen geben an, sich noch nicht ernsthaft mit ihrer Altersvorsorge beschäftigt zu haben. Bei den erwerbstätigen Menschen ab 60 sind es 27 Prozent. Regelmäßig ihre Finanzen planen 45 Prozent der Seniorinnen und Senioren, aber nur 24 Prozent der Jungen. „Altersvorsorge bleibt für viele ein Thema für später und aus später wird irgendwann zu spät“, sagt Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands.
Ganz überraschend ist das nicht. In der Generationenstudie 2026, die der Verband kurz zuvor vorgestellt hat, rechnen sechs von zehn 16- bis 24-Jährigen damit, im Alter finanziell nicht gut dazustehen. Gut die Hälfte von ihnen hat nach Abzug der festen Kosten weniger als 500 Euro im Monat übrig.
Was die Politik plant Gerade hier setzen Reformen an. Ab 2027 ist ein Altersvorsorgedepot vorgesehen, das die bisherigen Riester-Produkte ablösen oder zumindest ergänzen und breit gestreute Anlagen am Kapitalmarkt ermöglichen soll. Geplant ist außerdem eine Frühstartrente: Für Kinder zwischen 8 und 18 Jahren sollen jeden Monat zehn Euro in eine kapitalgedeckte Vorsorge fließen. Der Bankenverband hofft, dass das Depot mehr Menschen an den Kapitalmarkt heranführt.
Eine Einordnung gehört dazu: Die Umfrage stammt von einem Interessenverband der Banken, und Wertpapiere schwanken im Wert. Welche Form der Vorsorge zu wem passt, hängt von der eigenen Lage ab. Die gute Nachricht ist dennoch deutlich. Die Scheu vor der Börse schwindet, gerade bei denen, die noch die meiste Zeit bis zur Rente haben. Jetzt kommt es darauf an, aus der Offenheit auch einen Anfang zu machen.
Themen: Altersvorsorge, Aktien, Wertpapiere, Rente, Geldanlage, Junge Anleger, Finanzbildung
Aktien für die Rente? Knapp zwei Drittel sagen Ja, bei Jungen sind es 77 Prozent