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Akku-Züge statt Diesel: Drei Bahnstrecken in Taubertal und Odenwald planen den Umstieg
Ab Mitte der 2030er-Jahre sollen Akku-Züge durch Taubertal und Odenwald rollen. Das Land zahlt die Planung.
Von Tobias ·
Noch brummen zwischen Crailsheim, Wertheim und Seckach Dieseltriebwagen über die Gleise. Das soll sich ändern, allerdings nicht über Nacht: Ab Mitte der 2030er-Jahre sollen auf der Tauberbahn, der südlichen Maintalbahn und der Madonnenlandbahn Akku-Züge fahren. Baden-Württemberg hat dafür einen Planungsvertrag unterzeichnet, wie das Verkehrsministerium Anfang November mitteilte, und übernimmt die Kosten von rund 9,4 Millionen Euro allein. „Das Land zahlt die Planung komplett“, sagt Landesverkehrsministerin Nicole Razavi.
Drei Strecken, rund 170 Kilometer Das Vorhaben betrifft ein rund 170 Kilometer langes Teilnetz der zur Deutschen Bahn gehörenden Westfrankenbahn, das durch Baden-Württemberg und Bayern verläuft. Die Tauberbahn führt von Crailsheim über Bad Mergentheim und Lauda nach Wertheim, die Maintalbahn weiter nach Miltenberg, die Madonnenlandbahn von dort nach Seckach.
Vertragspartner des Landes sind die DB RegioNetz Infrastruktur GmbH Westfrankenbahn und die DB Energie GmbH. Die Westfrankenbahn beauftragt zunächst zwei Schritte: In der Grundlagenermittlung und der Vorplanung geht es um den technischen Bedarf und den Vergleich verschiedener Varianten. 2029 soll die Vorplanung abgeschlossen sein. Erst danach folgen weitere Planungsschritte und die Umsetzung.
Laden unter dem Fahrdraht Der Reiz des Konzepts: Es braucht keine durchgehende Oberleitung. Die Züge laden ihre Akkus dort, wo ein Fahrdraht hängt, und fahren danach mit dem gespeicherten Strom weiter. Neu gebaut werden soll Oberleitung nur auf rund 23 Kilometern. Das sind laut Ministerium etwa 15 Prozent des Netzes, die übrigen rund 85 Prozent wären Akku-Strecke. Im vergangenen Jahr hatte das Ministerium jede Strecke einzeln von der DB Energie in einer Energiesimulation untersuchen lassen.
Die neuen Masten sind allein für die südliche Tauberbahn vorgesehen. Zwischen Crailsheim, Bad Mergentheim und Königshofen liegt mit gut 60 Kilometern der längste Abschnitt. Nach jetzigem Stand sind ein bis zwei Teilstücke geplant: mindestens von Königshofen bis Bad Mergentheim und, falls nötig, von Crailsheim Richtung Satteldorf. Wo genau, legt die Vorplanung fest.
Wie das im Alltag aussehen soll, zeigt die rund 40 Kilometer lange Madonnenlandbahn. Dort sollen die Züge ohne Zwischenladung durchfahren und ihre Akkus beim Wenden an den Endbahnhöfen aufladen, was rund zehn Minuten dauert.
Mehr als nur ein neuer Antrieb Geplant ist auch ein Ausbau der Strecken: abschnittsweise Tempo bis 120 km/h, neue Begegnungsbahnhöfe, an denen sich entgegenkommende Züge kreuzen können, neue elektronische Stellwerke und barrierefreie Stationen.
Für Fahrgäste dürfte vor allem der Fahrplan zählen. Nach der Fertigstellung sollen zwei Linien im Stundentakt fahren, zwischen Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim entsteht im Kern ein Halbstundentakt. Auch am Wochenende sollen deutlich mehr Züge unterwegs sein. Razavi stellt zudem kürzere Fahrzeiten in Aussicht; um wie viele Minuten es geht, nennt die Mitteilung des Ministeriums nicht.
Miltenberg als Ladestation Weil Teile der Strecken in Bayern liegen, stimmt sich das Land eng mit dem Freistaat ab. Eine Schlüsselrolle spielt der Bahnhof Miltenberg: Bayern lässt die Strecke von Aschaffenburg dorthin für Oberleitungsbetrieb planen, hat dafür 2024 einen eigenen Planungsvertrag geschlossen und finanziert die Planung mit 17,9 Millionen Euro. Die Inbetriebnahme war damals für 2034 vorgesehen. Ist der Bahnhof elektrifiziert, können dort auch die Züge Richtung Baden-Württemberg laden. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter nennt die Umstellung ein „Musterbeispiel“ für die Zusammenarbeit beider Länder.
Was noch offen ist Bis hierhin ist vor allem Papier unterschrieben: Die 9,4 Millionen Euro fließen ausschließlich in die Planung. Zu den Baukosten und zur Finanzierung des Baus macht die Mitteilung des Ministeriums keine Angaben, auch nicht zu Typ und Zahl der Akku-Züge. Und bis zum ersten Einsatz vergehen noch rund zehn Jahre.
Trotzdem ist der Planungsstart mehr als eine Absichtserklärung, denn nun gibt es Vertrag, Geld und einen Termin für den nächsten Schritt. Denis Kollai, Geschäftsleiter Infrastruktur und Sprecher der Geschäftsleitung der Westfrankenbahn, nennt den Planungsstart ein „starkes Signal“ für sein Unternehmen und die Menschen in der Region. Wer zwischen Tauber und Odenwald pendelt, braucht noch Geduld, kann sich aber auf ein dichteres Angebot freuen, wenn die Pläne aufgehen.
Themen: Akku-Züge, Westfrankenbahn, Tauberbahn, Madonnenlandbahn, Maintalbahn, Baden-Württemberg, Bayern, Nahverkehr
Akku-Züge statt Diesel: Drei Bahnstrecken in Taubertal und Odenwald planen den Umstieg