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Äthiopien: 900 Familien haben jetzt Wasser am Haus
Fast fünf Stunden war Medina Musa früher unterwegs, um Wasser für ihre Familie zu holen. Heute fließt es direkt bei ihr zu Hause. In der äthiopischen Stadt Berehale profitieren bereits rund 900 Familien von einer verbesserten Wasserversorgung.
Von Silvia ·
Medina Musa musste fünf Stunden Wasser holen – heute hat sie einen Wasserhahn Ein Wasserhahn, eine kleine Drehbewegung – und schon fließt Wasser. Was für uns selbstverständlich ist, bedeutet für Medina Musa aus der äthiopischen Stadt Berehale eine enorme Erleichterung. Denn früher musste sie für etwas so Alltägliches wie einen Kanister Wasser fast fünf Stunden unterwegs sein.
Die Stadt liegt in der Afar-Region im Nordosten Äthiopiens. Lange führte Medinas Weg zu einem Bach am Berghang, der nicht immer ausreichend Wasser führte. Auf dem Rückweg trug sie einen schweren Kanister auf dem Rücken und zusätzliche Fünf-Liter-Behälter in den Händen.
Später verbesserten ein Brunnen, eine Handpumpe und staatlich unterstützte Wasserleitungen die Situation. Doch viele Häuser blieben vom Leitungsnetz abgeschnitten. Selbst nach diesen ersten Fortschritten brauchte Medina noch ungefähr eine Stunde, um Wasser zu holen.
Zwei Wasserspeicher und Sonnenenergie machen den Unterschied Inzwischen hat sich der Alltag vieler Familien grundlegend verändert. UNICEF unterstützte im Rahmen des internationalen PROSPECTS-Programms den Ausbau der Wasserversorgung.
Dafür wurden zwei große Wasserspeicher auf höher gelegenem Gelände gebaut, bestehende Brunnenanlagen instand gesetzt und neue Leitungen in weitere Wohnviertel verlegt. Zusätzliche Solarpaneele helfen, die Wasserversorgung bei Stromausfällen zuverlässiger zu machen.
Das Ergebnis ist bereits sichtbar: Rund 900 Familien in Berehale verfügen inzwischen über einen eigenen Wasseranschluss. Auch Medina kann ihren Wasserbedarf nun direkt auf dem eigenen Grundstück decken.
Kochen, Waschen und Baden sind dadurch deutlich einfacher geworden. Ihr 13-jähriger Sohn Abdulkerim hilft gelegentlich beim Füllen eines Eimers. Was für ihn längst zum Alltag gehört, war für seine Mutter über viele Jahre kaum vorstellbar.
Plötzlich bleibt Zeit für andere Dinge Besonders Frauen und Mädchen profitieren von den kürzeren Wegen. Sie mussten bislang häufig einen großen Teil der Wasserbeschaffung übernehmen.
Auch Medinas Nachbarin Rawda Kalil berichtet von einem entspannteren Tagesablauf. Statt täglich schwere Kanister zu transportieren, kann sie sich nach der Hausarbeit mit Nachbarinnen treffen oder mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen.
Damit die Verbesserungen langfristig bestehen bleiben, finanziert der örtliche Wasserversorger Wartung und Stromkosten überwiegend aus regelmäßigen Kundenzahlungen.
Noch sind nicht alle Haushalte angeschlossen. Die Erweiterung des Leitungsnetzes läuft weiter.
Dass solche Lösungen auch andernorts funktionieren, zeigt ein weiteres UNICEF-Projekt im äthiopischen Gerba: Dort haben mittlerweile knapp 2.700 Familien einen Wasseranschluss zu Hause erhalten.
Für Medina zählt vor allem eine persönliche Veränderung. Ihre neunjährige Tochter Meyrem soll möglichst nicht mehr dieselben Strapazen erleben müssen wie die Frauen vor ihr.
Manchmal steckt ein großer Fortschritt eben in etwas ganz Kleinem: einem Wasserhahn, der den Menschen nicht nur Wasser bringt, sondern auch ein gutes Stück ihrer Zeit zurückgibt.