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Rote Pyramide: Rätselhafte Bauwerke könnten antike Mega-Dämme gewesen sein
Zwei bis zu 700 Meter lange Bauwerke in der ägyptischen Wüste könnten Teil eines erstaunlich ausgeklügelten Wassersystems gewesen sein. Doch noch fehlen entscheidende Beweise.
Von Max ·
Als die Wüste Wasser führte: Das Rätsel der Dämme von Dahschur Sie ziehen sich quer durch ein ausgetrocknetes Tal nahe der Roten Pyramide: zwei gewaltige, heute größtenteils unter Sand verborgene Bauwerke. Lange galten sie als Wege oder Rampen, über die Kalkstein transportiert wurde. Eine neue Studie kommt nun zu einer überraschenden Deutung: Die Strukturen könnten zu einem mehr als 4.500 Jahre alten Wassermanagementsystem gehört haben.
Die Dimensionen sind außergewöhnlich. Beide Anlagen erstrecken sich jeweils etwa 600 bis 700 Meter über das Wadi Dahschur. Ihre Fundamente könnten 15 bis 30 Meter breit gewesen sein, erhalten sind stellenweise Höhen von sechs bis sieben Metern. Zwischen ihnen lag möglicherweise ein rund 8,5 Hektar großes Becken mit mindestens 230.000 Kubikmetern Fassungsvermögen.
Besonders auffällig ist der zickzackförmige Mittelteil der westlichen Struktur. Die Forschenden halten ihn für einen dreieckigen Überlauf: Durch die verlängerte Kante hätte er bei Hochwasser mehr als doppelt so viel Wasser ableiten können wie ein gerader Damm gleicher Breite. Ein Bauwerk könnte dabei Geröll und Sand abgefangen, das andere Wasser gespeichert und kontrolliert in einen Kanal geleitet haben.
Dieser Kanal verlief offenbar bis auf wenige Dutzend Meter an die Rote Pyramide heran. Wasser hätte dort Baumaterialien über ebene Strecken bewegen, Menschen und Tiere versorgen oder bei der Herstellung von Mörtel helfen können. Die Rote Pyramide wurde unter Pharao Sneferu errichtet und gilt als erste erfolgreich vollendete Pyramide mit gleichmäßig glatten Seiten.
Die entscheidende Einschränkung: Die Anlagen wurden bislang nicht ausgegraben und sind nicht zuverlässig datiert. Die Untersuchung beruht vor allem auf Satellitenbildern, historischen Luftaufnahmen, Geländemodellen und hydraulischen Berechnungen. Ob die Bauwerke tatsächlich aus Sneferus Zeit stammen und beim Pyramidenbau genutzt wurden, müssen archäologische Untersuchungen erst zeigen.
Schon jetzt eröffnet die Studie jedoch eine faszinierende Perspektive: Die Baumeister des Alten Ägypten könnten nicht nur monumentale Steine beherrscht haben, sondern auch gelernt haben, seltene Sturzfluten in der Wüste gezielt zu bremsen, zu reinigen und nutzbar zu machen.
Rote Pyramide: Rätselhafte Bauwerke könnten antike Mega-Dämme gewesen sein