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Acht Beine, kein Gift: Warum der Weberknecht ins Glas gehört – nicht in den Staubsauger
Weberknechte sind harmlose Nützlinge mit erstaunlichen Tricks. Mit Glas und Papier kommen sie sicher nach draußen.
Von Andre ·
Lange, dünne Beine, ein winziger runder Körper – und schon greifen viele zum Staubsauger. Dabei ist der Weberknecht für Menschen ein ausgesprochen harmloser Mitbewohner. Wer ihn kennt, lässt ihn leben – und lernt dabei ein ziemlich faszinierendes Tier kennen. Ein Spinnentier, aber keine Spinne Weberknechte gehören zwar zu den Spinnentieren, sind aber keine echten Spinnen. Ihr Körper wirkt wie aus einem Stück, während Spinnen deutlich in Vorder- und Hinterleib geteilt sind. Vor allem aber fehlen ihnen zwei Dinge, die viele Menschen an Spinnen fürchten: Weberknechte haben nach Angaben des Rote-Liste-Zentrums weder Giftdrüsen noch Spinndrüsen. Sie bauen also keine Netze und gelten für Menschen als harmlos. Zur Verteidigung besitzen sie Stinkdrüsen, die überwiegend auf der Körperrückseite liegen. Ihr übel riechendes Sekret schreckt manche Fressfeinde ab. Wer schon einmal einen Weberknecht eingesaugt hat, kennt den Effekt womöglich: Der Staubsauger riecht danach unangenehm. 52 Arten in Deutschland In Deutschland sind laut Rote-Liste-Zentrum 52 Weberknecht-Arten etabliert, 47 davon kommen hier natürlich vor, fünf wurden eingeschleppt. Viele Arten leben an schattigen, feuchten Orten, oft im Wald. Im Garten fressen sie unter anderem Schnecken, Raupen und tote Insekten und machen sich damit nützlich. Kleben statt Spinnen Wie raffiniert die unscheinbaren Tiere jagen, haben Forschende der Universität Kiel gemeinsam mit einem Kollegen der Universität Mainz bereits 2014 gezeigt. Sie filmten den Weberknecht Mitostoma chrysomelas bei der Jagd auf Springschwänze – winzige, flinke Bodentiere. Die Haare an seinen Tastern tragen Tröpfchen eines besonderen Klebstoffs: Je heftiger die Beute zappelt, desto fester haftet sie. Die Haftkraft eines einzelnen Härchens reicht aus, um das Gewicht eines durchschnittlichen Springschwanzes zu halten. Bei 38 beobachteten Angriffen ging etwa jeder zweite erfolgreich aus – manchmal sogar gegen Beute, die größer war als der Jäger selbst. So kommt der Weberknecht sicher nach draußen Für die zarten Tiere endet die Reise durch den Saugschlauch oft tödlich. Viel freundlicher – und ganz einfach – ist der Glas-Trick: Ein Glas vorsichtig über den Weberknecht stülpen. Ein Stück Papier oder eine Postkarte flach unter den Rand schieben. Glas und Papier zusammen anheben und nach draußen tragen. Das Tier an einem geeigneten Platz behutsam freilassen. Wichtig ist, langsam zu arbeiten, damit kein Bein eingeklemmt wird. Weberknechte können bei Gefahr ein Bein abwerfen – eine Art Sollbruchstelle, die sie rettet. Das Bein wächst allerdings nicht nach.
Gute Nachbarn mit langen Beinen Am Ende ist der Weberknecht ein Paradebeispiel dafür, wie viel sich mit ein bisschen Wissen ändert: Aus dem gruseligen Krabbeltier wird ein harmloser Nützling mit Spezialkleber an den Tastern. Und für alle Beteiligten ist das Glas eindeutig die bessere Wahl als der Staubsauger.
Themen: Weberknecht, Spinnentier, Nützling, Insektenschutz, Tierrettung, Artenvielfalt, konstruktiver Journalismus
Acht Beine, kein Gift: Warum der Weberknecht ins Glas gehört – nicht in den Staubsauger