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7.330 neue Bäume für Halle: Wie Freiwillige in der Dölauer Heide den Wald zurückholen
Wo Trockenheit und Borkenkäfer einen jungen Kiefernbestand absterben ließen, haben rund 200 Freiwillige zum Spaten gegriffen: 7.330 junge Bäume sollen dort einen neuen Wald bilden.
Von Tobias ·
Spaten in der Hand, Handschuhe übergestreift, und dann ab in den sandigen Boden: Am Samstag, dem 31. Oktober, haben rund 200 Helferinnen und Helfer in der Dölauer Heide in Halle (Saale) angepackt. Ihr Ziel war eine etwa ein Hektar große Lichtung nahe dem Heidesee. Dort sollten 7.330 junge Bäume in die Erde kommen.
Das Motto des Vormittags gab die Richtung vor: „Viele Hände machen schnell ein Ende.“ Mitmachen konnte jeder, eine Anmeldung war nicht nötig. Wer kam, brachte den eigenen Spaten mit, für Handschuhe, Getränke und einen kleinen Imbiss war gesorgt.
Eine Fläche, die der Wald verloren hatte Die Lichtung hat eine Vorgeschichte. Bis 2019 wuchs hier ein junger, dichter Kiefernbestand. Dann setzten Trockenheit und Borkenkäfer den Bäumen so zu, dass große Teile abstarben und die Fläche ihren Wald verlor. Nun soll dort Schritt für Schritt ein widerstandsfähigerer Wald heranwachsen.
Damit steht die Fläche für ein Problem, das ganz Sachsen-Anhalt kennt. Laut dem Waldzustandsbericht 2025 des Landes sind die Folgen der Trockenjahre seit 2018 in den Wäldern weiterhin deutlich sichtbar. Die mittlere Kronenverlichtung, ein wichtiger Gradmesser für die Gesundheit der Bäume, lag 2025 über alle Baumarten bei 25 Prozent und damit auf dem Niveau der Vorjahre. Immerhin: Die Kiefer, die mit Abstand häufigste Baumart im Land, zeigte 2025 keine auffälligen Veränderungen ihrer Vitalität.
Kiefer, Elsbeere, Mehlbeere Gepflanzt wurde, was auf dem kargen Sandboden eine Chance hat. Den größten Anteil stellt die Gemeine Waldkiefer, die typisch für diesen Standort ist. Auf einem kleineren, eigens abgegrenzten Teil kommt die Schwarzkiefer hinzu. Sie gilt als trockenheitstolerant, ist aber nicht heimisch, deshalb ist ihr Anteil auf zehn Prozent begrenzt. Dazu kommen zwei heimische Laubbäume: Elsbeere und Mehlbeere, mit denen die Organisatoren bei früheren Aktionen gute Erfahrungen gemacht haben.
Vor dem ersten Spatenstich gab es eine Einweisung durch Rocco Siersleben, Teamleiter Forsten der Stadt Halle, und Revierförsterin Sophie Richter. Die Kiefern werden ohne Erdballen gesetzt, die Wurzeln müssen dabei gerade nach unten zeigen. Elsbeeren und Mehlbeeren kommen mit Topfballen in die Erde, der vollständig im Boden verschwinden muss. Danach wird der Boden festgetreten. Die Kiefern stehen nur etwa 50 bis 60 Zentimeter auseinander. Das ist Absicht: So lassen sich Ausfälle ausgleichen, und der Wettlauf um das Licht treibt die jungen Bäume in die Höhe.
Geduld braucht es trotzdem. „Zehn bis 15 Jahre dauert es schon“, sagte Siersleben, bis aus den Setzlingen ein dichter Jungwald mit etwa zwei bis 2,50 Meter hohen Bäumen geworden ist.
Eine Tradition seit 2019 Mit dabei waren neben vielen Bürgerinnen und Bürgern auch Vereine und Gruppen, darunter die Saale Bulls, der HFC, die Halle Falken, die Karnevalisten Rot-Weiß sowie die Freiwillige Feuerwehr Nietleben samt Kinderfeuerwehr. Organisiert wird die Aktion von der Stadt Halle, der Saalesparkasse und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Landesverband Sachsen-Anhalt.
Für die Stadt ist es bereits die siebte Pflanzaktion dieser Art. Zum ersten Mal hatte Halle 2019 rund um den Tag der Deutschen Einheit zum gemeinsamen Pflanzen eingeladen. Oberbürgermeister Alexander Vogt nannte die Aktion vorab „gelebte Gemeinschaft“. Bei der Begrüßung am Samstag erinnerte er daran, dass Halle und der Saalekreis vergleichsweise wenig Wald haben, vor allem eine Folge von Industrialisierung und Braunkohleabbau.
Die Saalesparkasse stellt in diesem Jahr 100.000 Euro für die Aufforstung der Dölauer Heide bereit. Davon werden nicht nur die neuen Bäume bezahlt, sondern auch die Pflege früherer Pflanzungen und der Einsatz der Freiwilligen. Denn ein Wald entsteht nicht an einem Samstag. Aber er beginnt an einem.
Themen: Aufforstung, Halle, Dölauer Heide, Bäume pflanzen, Waldumbau, Klimaschutz, Ehrenamt
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