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60 Jahre Star Trek: Wie die Enterprise unsere Zukunft bis heute ein Stück besser macht
Seit 60 Jahren entwirft Star Trek eine Zukunft, in der Forschung, Vielfalt und Zusammenarbeit stärker sind als Angst.
Von Andre ·
60 Jahre Star Trek: Wie die Enterprise unsere Zukunft bis heute ein Stück besser macht Am Anfang war da ein Raumschiff, das aussah, als hätte jemand eine Untertasse mit zwei sehr schnellen Staubsaugerrohren verheiratet. Doch hinter der etwas eigenwilligen Optik der USS Enterprise steckte eine bemerkenswert große Idee: Die Zukunft könnte nicht nur technisch fortschrittlicher sein – sondern auch menschlicher.
Am 8. September 1966 lief „Star Trek“ erstmals beim US-Sender NBC. Damals lagen die erste Mondlandung noch fast drei Jahre und das moderne Mobiltelefon mehrere Jahre in der Zukunft. Sechs Jahrzehnte später gehört die Serie zu den einflussreichsten Science-Fiction-Welten der Popkultur. Das Smithsonian bezeichnet sie als eine der bedeutendsten Fernsehserien ihrer Zeit und hebt insbesondere ihre Vision einer vielfältigen, multinationalen Besatzung hervor.
Doch vielleicht liegt die eigentliche Besonderheit von „Star Trek“ weniger darin, was die Serie über Raumschiffe wusste – sondern darin, was sie über Hoffnung verstand.
Eine Zukunft, die nicht zwangsläufig düster sein muss Science-Fiction liebt Katastrophen. Roboter übernehmen die Welt, Konzerne kontrollieren die Menschheit oder irgendein Experiment öffnet versehentlich ein schwarzes Loch im Vorgarten.
„Star Trek“ wählte einen anderen Ausgangspunkt.
Die Menschheit des fiktiven 23. Jahrhunderts hat viele ihrer heutigen Konflikte überwunden. Menschen unterschiedlicher Herkunft arbeiten gemeinsam, Wissenschaft und Bildung besitzen einen hohen Stellenwert, fremde Kulturen sollen zunächst verstanden und nicht automatisch bekämpft werden.
Natürlich ging auch auf der Enterprise regelmäßig etwas schief – sonst wären 50 Minuten Fernsehen recht ereignisarm gewesen. Doch der Grundton blieb ungewöhnlich optimistisch: Probleme sind lösbar. Verständigung ist möglich. Fortschritt kann allen dienen.
Gerade dieser Ansatz unterschied die Serie von vielen Zukunftserzählungen ihrer Zeit.
Auf der Brücke arbeiteten unter anderem die Schwarze Kommunikationsoffizierin Uhura, der japanischstämmige Sulu und später der russische Chekov miteinander – mitten im Kalten Krieg. Das Smithsonian beschreibt diese ethnisch vielfältige und multinationale Besatzung ausdrücklich als einen Grund dafür, dass die Serie damals Grenzen des amerikanischen Fernsehens verschob.
Wenn Science-Fiction plötzlich im echten Leben auftaucht Manche Dinge, die 1966 futuristisch wirkten, sehen heute erstaunlich vertraut aus.
Handliche Kommunikationsgeräte erinnern an Mobiltelefone, flache Datenpads an Tablets, Computer reagieren auf gesprochene Fragen und automatische Übersetzung wird dank künstlicher Intelligenz zunehmend alltäglich.
Das bedeutet nicht, dass „Star Trek“ all diese Technologien erfunden hätte. Technischer Fortschritt entsteht selten durch eine einzige Idee. Science-Fiction kann jedoch Bilder liefern, die Ingenieurinnen und Ingenieuren zeigen, wie eine noch nicht existierende Technik aussehen oder genutzt werden könnte .
Der Mobiltelefon-Pionier Martin Cooper hat den Communicator aus „Star Trek“ beispielsweise als eine seiner Inspirationen bezeichnet. Auch das Smithsonian beschreibt einen nachweisbaren Einfluss der Serie auf Entwicklungen rund um Smartphones, Tablets und portable Technik.
Selbst Dr. McCoys berühmter medizinischer „Tricorder“ hat seinen Weg aus der Fantasie in die Forschung gefunden. In wissenschaftlichen Veröffentlichungen wird der Begriff inzwischen für kompakte Systeme verwendet, die Vitalparameter messen oder medizinische Diagnostik unterstützen sollen. Ein vollständiger McCoy-Scanner fehlt zwar noch – aber man darf der Forschung ja noch ein paar Staffeln geben.
Als die Enterprise tatsächlich bei der NASA landete Besonders schön verschwimmen Realität und Fiktion bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA.
Als deren erster Space-Shuttle-Testorbiter ursprünglich den Namen „Constitution“ erhalten sollte, starteten „Star Trek“-Fans eine Briefkampagne. Sie wollten einen anderen Namen.
Enterprise.
Mit Erfolg.
Am 17. September 1976 wurde die echte Space Shuttle Enterprise der Öffentlichkeit vorgestellt. „Star Trek“-Schöpfer Gene Roddenberry und mehrere Darsteller der Serie waren dabei. NASA-Dokumente bestätigen, dass die Faninitiative entscheidend zur Namensänderung beigetragen hatte.
Damit hatte ein fiktives Raumschiff erstmals ziemlich sichtbar auf einem echten Raumfahrtprogramm eingeparkt.
Noch wichtiger als Technik: Wer sich Zukunft vorstellen darf Eine der stärksten Verbindungen zwischen „Star Trek“ und der realen Raumfahrt entstand durch Nichelle Nichols, die Lieutenant Uhura spielte.
NASA wollte Ende der 1970er-Jahre mehr Frauen und Angehörige ethnischer Minderheiten für ihr neues Space-Shuttle-Astronautenprogramm gewinnen. Die Raumfahrtbehörde engagierte Nichols für eine landesweite Kampagne.
Der Effekt war bemerkenswert.
Mehr Frauen und Menschen unterschiedlicher Herkunft bewarben sich. 1978 stellte NASA eine neue Klasse von 35 Astronautinnen und Astronauten vor – erstmals gehörten ihr mehrere Frauen und Angehörige ethnischer Minderheiten an. Zu dieser Generation gehörte unter anderem Sally Ride, die später als erste US-Amerikanerin ins All flog.
Auch Mae Jemison, die 1992 als erste Schwarze Frau ins All flog, berichtete später vom Einfluss, den „Star Trek“ und insbesondere Nichelle Nichols auf sie hatten.
Damit wurde aus Repräsentation auf einem Fernsehbildschirm etwas sehr Reales: Menschen konnten sich plötzlich selbst an einem Ort vorstellen, an dem sie zuvor kaum jemanden gesehen hatten, der ihnen ähnelte.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Erfindung von Star Trek Warp-Antrieb, Beamen und Holodeck müssen weiterhin auf ihre Patentanmeldung warten.
Die vielleicht wichtigste Technologie von „Star Trek“ funktioniert dagegen bereits seit 60 Jahren: Vorstellungskraft.
Die Serie zeigte Millionen Menschen eine Zukunft, in der wissenschaftlicher Fortschritt nicht zwangsläufig Überwachung, Umweltzerstörung oder soziale Spaltung bedeuten muss. Technik kann Werkzeuge liefern. Entscheidend bleibt, was Menschen daraus machen.
Das ist keine naive Behauptung, dass irgendwann automatisch alles gut wird. Auch „Star Trek“ erzählt immer wieder von Macht, Vorurteilen, Krieg und moralischen Konflikten.
Sein Optimismus funktioniert anders.
Er sagt nicht: Die Zukunft wird gut.
Er sagt: Eine bessere Zukunft ist denkbar – und deshalb möglicherweise gestaltbar.
Vielleicht erklärt gerade das, weshalb ein Fernsehformat aus dem Jahr 1966 noch immer funktioniert. Zwischen künstlicher Intelligenz, Raumfahrt, gesellschaftlichen Debatten und neuen Technologien wirkt seine wichtigste Botschaft erstaunlich zeitgemäß.
Oder, um es mit Mr. Spocks berühmtem Gruß wesentlich kürzer zu sagen:
Lebe lang und in Frieden.
60 Jahre Star Trek: Wie die Enterprise unsere Zukunft bis heute ein Stück besser macht