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5.000 Jahre alte Wälder vor Mosambik werden zu Riffen
Vor Mosambik haben Forschende bis zu 5.000 Jahre alte Überreste versunkener Küstenwälder untersucht. Aus dem einstigen Waldboden sind artenreiche Unterwasserriffe geworden, die Fischen und zahlreichen anderen Meerestieren neuen Lebensraum bieten.
Von Andre ·
5.000 Jahre alter Waldboden wird zum Lebensraum für Meeresbewohner Wo vor Jahrtausenden Bäume wuchsen und sich sumpfige Küstenlandschaften erstreckten, schwimmen heute bunte Fische zwischen Seegras, Muscheln und kleinen Meerestieren. Vor der Küste Mosambiks haben Wissenschaftler eine bemerkenswerte Unterwasserwelt untersucht: Riffe, die nicht aus Korallen, sondern aus den Überresten uralter Wälder bestehen.
Die im Oktober 2026 im Fachjournal Scientific Reports veröffentlichte Studie zeigt, wie sich ehemalige Küstenlandschaften in artenreiche Lebensräume verwandeln können.
Ein versunkener Wald bekommt ein zweites Leben Die ungewöhnlichen Riffe liegen im flachen Wasser des Bazaruto-Archipels im Indischen Ozean. Ihr Baumaterial ist Torf – entstanden aus abgestorbenen Pflanzen, Wurzeln und Bäumen, die sich über lange Zeit angesammelt haben.
Als der Meeresspiegel stieg, wurden diese Landschaften überflutet. Strömungen und Wellen trugen später darüberliegende Sandschichten ab. Zurück blieben feste Torfflächen auf dem Meeresboden, die von Meerestieren und Wasserpflanzen besiedelt wurden.
Mithilfe der Radiokarbonmethode bestimmten die Forschenden das Alter des Torfs auf etwa 300 bis 5.000 Jahre. Damit reicht die Geschichte einiger dieser Riffe erstaunlich weit zurück.
Ein Riff ganz ohne lebende Korallen Besonders überraschend ist die Artenvielfalt. Das Forschungsteam untersuchte drei Torfriffe und verglich sie mit einem benachbarten Korallenriff.
Auf jedem Torfriff registrierten die Wissenschaftler 26 bis 36 Arten kleiner Fische. In Spalten und Vorsprüngen fanden unter anderem junge Schnapper, Langusten und andere Wirbellose geeignete Rückzugsorte.
Obwohl die Torfriffe keine lebenden Korallen besitzen, können sie bei der Vielfalt ihrer Fischgemeinschaften mit dem untersuchten Korallenriff mithalten. Die Lebensgemeinschaften unterscheiden sich allerdings deutlich, insbesondere bei den wirbellosen Tieren am Meeresboden.
Ein entscheidender Vorteil: In einer Küstenregion, die überwiegend von beweglichem Sand geprägt ist, bieten die alten Torfschichten einen seltenen festen Untergrund. Hier können sich Organismen ansiedeln, Nahrung finden und vor Fressfeinden verstecken.
Speichern die alten Wälder noch immer Kohlenstoff? Die Entdeckung ist auch für die Klimaforschung interessant. Einzelne Torfproben enthielten bis zu 40 Prozent organischen Kohlenstoff, bezogen auf ihr Trockengewicht.
Ob die Riffe langfristig bedeutende Kohlenstoffspeicher sind oder derzeit sogar Kohlenstoff freisetzen, ist jedoch noch nicht geklärt. Dafür müssen weitere Messungen zeigen, wie mächtig und stabil die Torfschichten sind.
Die gute Nachricht ist deshalb vor allem eine ökologische: Die Untersuchung macht einen bislang wenig beachteten Lebensraum sichtbar, der für den Schutz der marinen Artenvielfalt wichtig sein könnte.
Die Forschenden vermuten, dass ähnliche Torfriffe auch an anderen tropischen Küsten existieren. Ihre Entdeckung könnte helfen, solche Lebensräume künftig besser zu erfassen und in Meeresschutzkonzepte einzubeziehen.
Ein schöner Gedanke zum Schluss: Ein Wald muss offenbar nicht für immer verschwinden, wenn das Meer ihn überflutet. Manchmal beginnt auf seinen Überresten ein ganz neues Kapitel voller Leben.