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400 Millionen Euro für sauberere Schiffe: So will der Bund die Schifffahrt umbauen
Der Bund setzt seinen Aktionsplan für klimafreundliche Schiffe um. Profitieren sollen Küstenschiffe und Seehäfen.
Von Max ·
Wer Schiffe klimafreundlich machen will, steht vor einer kniffligen Frage: Was kommt zuerst, das Schiff mit dem neuen Antrieb oder der Hafen mit dem passenden Treibstoff? Der Nationale Aktionsplan klimafreundliche Schifffahrt spricht selbst vom Henne-Ei-Problem. Nun soll aus dem Papier praktische Arbeit werden.
Am 5. November hat das Bundesverkehrsministerium mit einer Fachkonferenz die Umsetzung des Plans gestartet. Dabei waren Fachleute aus Schifffahrt, Wirtschaft und Wissenschaft sowie von Verbänden und Behörden. Der Plan selbst ist nicht neu: Das Bundeskabinett hat ihn am 14. Oktober beschlossen. Er umfasst 47 Maßnahmen, für die Förderung sind 400 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds eingeplant. Die Ergebnisse der Konferenz sollen nun in die Maßnahmen einfließen.
Wohin das Geld fließen soll Zwei Förderprogramme nennt das Ministerium. Für Binnenschiffe gibt es bereits eines für grüne Korridore. Für die Seeschifffahrt soll „in Kürze“ ein neues folgen, einen genauen Termin nennt die Mitteilung nicht. Es soll helfen, Küstenschiffe umzurüsten und in Seehäfen die Möglichkeiten zum Laden und Tanken alternativer Kraftstoffe auszubauen. Vorrang sollen laut Aktionsplan Schiffe kleiner und mittlerer Unternehmen bekommen, die vor allem national unterwegs sind. Wie sich die 400 Millionen auf die Programme verteilen, steht nicht in der Mitteilung.
Hinter dem Begriff „grüner Korridor“ steckt eine einfache Idee: Reedereien, Häfen, Kraftstofflieferanten und Energiewirtschaft stimmen sich auf einer Strecke oder in einem Hafen ab, sodass emissionsarme Schiffe dort auch tatsächlich die passende Energie bekommen. So zeigt sich im Betrieb, was technisch und wirtschaftlich funktioniert. Umsetzungsreif sind in Deutschland bisher allerdings nur wenige solcher Initiativen.
Warum die Branche jetzt handeln muss Der Druck kommt auch von außen. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation strebt Klimaneutralität bis 2050 an, Deutschland will schon 2045 netto bei null liegen. Die Seeschifffahrt ist inzwischen Teil des europäischen Emissionshandels. Ab 2030 müssen Fahrgast- und Containerschiffe in bestimmten Häfen ihren gesamten Strombedarf aus Landstrom decken, ihn also während der Liegezeit von Land beziehen.
Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) sieht im Umbau auch eine wirtschaftliche Chance: „Wer die klimafreundliche Schifffahrt stärkt, stärkt zugleich unseren Wirtschaftsstandort.“ Welche Technik sich durchsetzt, lässt der Plan offen. Der Staat will den Rahmen setzen, die besten Lösungen sollen sich am Markt behaupten. Manches im Plan ist noch ausdrücklich ein Prüfauftrag, etwa ein Klimarabatt für die Passage des Nord-Ostsee-Kanals oder Leasingmodelle mit finanziellen Anreizen für umweltfreundliche Schiffe. Zudem stehen laut Plan alle Maßnahmen unter Finanzierungsvorbehalt: Umgesetzt wird nur, wofür Haushaltsmittel zur Verfügung stehen.
Lob mit Nachfragen Ganz frisch ist das Geld übrigens nicht. Bereits im Juli 2025 hatte die Bundesregierung 400 Millionen Euro aus demselben Fondstitel für Schifffahrt und Häfen angekündigt, damals für die kommenden vier Jahre. Gaby Bornheim, Präsidentin des Verbands Deutscher Reeder, begrüßte das seinerzeit und betonte: „Es geht nicht nur um neue Schiffe, sondern auch um die nötige Hafeninfrastruktur“ – und um bezahlbare grüne Kraftstoffe. Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe wies zugleich auf einen Investitionsstau von rund 18 Milliarden Euro bei der öffentlichen Hafeninfrastruktur hin.
Auch am Plan selbst gibt es Kritik. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer bescheinigte dem Entwurf im Sommer „grundsätzlich richtige Ziele“, vermisste aber konkrete und verbindliche Schritte, vor allem bei Bürokratieabbau und Wasserstraßen. Der Naturschutzbund NABU lobte beim Beschluss zwar den Ansatz, die Mittel reichten aber „bei Weitem nicht aus“. Er will, dass ein größerer Teil der Einnahmen aus dem EU-Emissionshandel in emissionsfreie Schiffe, Häfen und erneuerbare Energien fließt.
Der Anker ist also gelichtet, das Tempo muss sich noch zeigen. Der erste Prüfstein ist das neue Programm für die Seeschifffahrt: Sobald es startet, sollen Küstenschiffe und Häfen die angekündigte Förderung konkret nutzen können.
Themen: Schifffahrt, Klimaschutz, Aktionsplan, Förderprogramm, Häfen, Landstrom, Bundesverkehrsministerium, Klima- und Transformationsfonds
400 Millionen Euro für sauberere Schiffe: So will der Bund die Schifffahrt umbauen