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30 Jahre Mitternachtsbus: Rund eine Million Begegnungen mit obdachlosen Menschen in Hamburg
Seit 1996 ist der Bus der Diakonie jeden Abend in Hamburg unterwegs – rund 140 Ehrenamtliche bringen heiße Getränke, Decken und vor allem Zeit für Gespräche.
Von Michael Beier ·
Es ist ein Bus, der nicht nach Fahrplan, sondern nach Menschen fährt. Jeden Abend steuert der Mitternachtsbus der Diakonie Hamburg rund fünfzehn Stellen in der Stadt an – in der Innenstadt, rund um die Reeperbahn und in Altona. Dort warten obdach- und wohnungslose Menschen auf das Team. Jetzt wird das Projekt 30 Jahre alt, und die Bilanz kann sich sehen lassen: Rund eine Million Begegnungen haben die Teams seit 1996 gezählt.
Ein heißer Becher und ein Gespräch An Bord sind heiße Getränke, Backwaren, Decken, Schlafsäcke und Isomatten. Doch das, worum es eigentlich geht, lässt sich nicht verteilen: Zeit und Aufmerksamkeit. Das Angebot ist an keine Bedingung geknüpft und steht allen offen. Im Mittelpunkt stehen die Gespräche.
„Wir treffen jeden Abend Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten“, sagt Sonja Norgall, eine der beiden hauptamtlichen Projektleitungen. Manche kämen regelmäßig, andere nur gelegentlich. Entscheidend sei, für sie da zu sein und zuzuhören.
Wenn mehr Hilfe gebraucht wird, zeigen die Ehrenamtlichen Wege ins Hilfesystem auf, etwa zum Diakonie-Zentrum für Wohnungslose. Dabei arbeitet der Mitternachtsbus im Netzwerk mit der Bahnhofsmission und der Straßensozialarbeit zusammen.
Von 7.000 auf fast 50.000 Kontakte im Jahr Ins Leben gerufen hat den Bus 1996 der damalige Landespastor Stephan Reimers. Im ersten Jahr kamen die Teams auf rund 7.000 Kontakte, heute sind es fast 50.000 pro Jahr. Getragen wird das Angebot von etwa 140 Ehrenamtlichen – einige von ihnen sind seit den Anfängen dabei. Geleitet wird das Projekt von zwei Hauptamtlichen.
Dass dieser Dienst bei jedem Wetter läuft, zeigte sich im vergangenen Januar: Bei rund minus zehn Grad vereiste die Steckdose, an der der elektrisch betriebene Bus lädt. Die Crew taute sie mit einem Föhn wieder auf und fuhr los. Ausgegeben wurden in jener Nacht neben heißen Getränken auch Mützen, Schals und dicke Socken.
Gesehen werden Landespastorin Annika Woydack würdigt zum Jubiläum vor allem das Engagement der Ehrenamtlichen. „Der Mitternachtsbus zeigt seit 30 Jahren, wie wichtig es ist, Menschen zu begegnen“, sagt sie. Die Ehrenamtlichen gäben obdachlosen Menschen das Gefühl, nicht übersehen zu werden.
Der Mitternachtsbus finanziert sich vollständig aus Spenden. Unterstützen lässt er sich über die Diakonie-Stiftung MitMenschlichkeit unter dem Stichwort „Obdachlosenhilfe/Mitternachtsbus“.
Themen: Hamburg, Mitternachtsbus, Diakonie Hamburg, Obdachlosenhilfe, Ehrenamt, Jubiläum, Wohnungslosigkeit, Soziales Engagement
30 Jahre Mitternachtsbus: Rund eine Million Begegnungen mit obdachlosen Menschen in Hamburg