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3-Milliarden-Auftrag für Siemens: Neue Schnellzüge entstehen in Krefeld
Ein italienischer Bahnbetreiber investiert Milliarden in den deutschen Fernverkehr: Siemens Mobility soll 26 Hochgeschwindigkeitszüge bauen und die Flotte drei Jahrzehnte lang warten. Das Großprojekt bringt langfristige Arbeit nach Krefeld und Dortmund – und könnte ab 2028 für mehr Auswahl auf deutschen Bahnstrecken sorgen.
Von Max ·
Ein Milliardenauftrag auf Schienen: Warum Italos neue Schnellzüge weit mehr als Tempo versprechen Es ist ein Auftrag, dessen Wirkung weit über den Bau einiger neuer Züge hinausreicht: Der italienische Bahnbetreiber Italo Holding hat bei Siemens Mobility 26 Hochgeschwindigkeitszüge bestellt. Weitere 14 Fahrzeuge können später hinzukommen. Gemeinsam mit einem langfristigen Servicevertrag erreicht das Auftragsvolumen für Siemens rund drei Milliarden Euro.
Damit fließt ein erheblicher Teil der Investition in deutsche Industriestandorte. Gebaut werden die Züge im Siemens-Werk in Krefeld, gewartet werden sie über einen Zeitraum von 30 Jahren im Rail Service Center in Dortmund. Der Auftrag verbindet moderne Bahntechnik mit jahrzehntelanger Wertschöpfung – und wird zugleich zu einem wichtigen Baustein für Italos geplanten Einstieg in den deutschen Fernverkehr.
26 Züge – und eine Partnerschaft für drei Jahrzehnte Fest bestellt sind zunächst 26 achtteilige Züge des Typs Velaro Multi System. Der Vertrag enthält darüber hinaus eine Option auf 14 zusätzliche Einheiten. Hinzu kommt ein Full-Service-Vertrag über 30 Jahre, der Wartung, Flottenüberwachung und digitale Dienstleistungen umfasst.
Die genaue finanzielle Aufteilung zwischen Fahrzeugkauf, möglichen zusätzlichen Zügen und Instandhaltung wurde nicht veröffentlicht. Sicher ist jedoch: Der gesamte Siemens-Auftrag hat nach Angaben des Unternehmens einen Wert von rund drei Milliarden Euro. Italos vollständiges Investitionsprogramm für den Aufbau des Deutschlandgeschäfts soll rund 3,6 Milliarden Euro umfassen. Dazu zählen neben Zügen und Wartung auch Bahnhöfe, digitale Infrastruktur sowie die Rekrutierung und Ausbildung von Beschäftigten.
Die lange Laufzeit ist wirtschaftlich besonders bedeutsam. Während die Fertigung für eine mehrjährige Auslastung des Krefelder Werks sorgt, schafft der Wartungsvertrag eine planbare Nachfrage nach Fachwissen, Ersatzteilen, Software und technischen Dienstleistungen bis weit in die 2050er-Jahre hinein.
Krefeld bleibt ein Zentrum des europäischen Zugbaus Das Siemens-Werk in Krefeld blickt auf eine mehr als 125-jährige Geschichte im Schienenfahrzeugbau zurück. Auf dem Gelände entstehen Regional- und Hochgeschwindigkeitszüge wie Mireo, Desiro, ICE 4 und Velaro. Das Werk arbeitet mit einem weit verzweigten Netzwerk aus Zulieferern zusammen: Nach früheren Siemens-Angaben profitieren rund 1.100 Unternehmen – überwiegend kleine und mittelständische Betriebe – von den dort realisierten Bahnprojekten.
Bei vergleichbaren Krefelder Großprojekten entstehen nach Unternehmensangaben mehr als drei Viertel der Wertschöpfung in Deutschland. Für den neuen Italo-Auftrag wurde ein konkreter Anteil bislang allerdings nicht ausgewiesen. Dennoch stärkt die Bestellung die industrielle Auslastung, das spezialisierte Know-how und die Lieferketten rund um den deutschen Schienenfahrzeugbau.
Auch Dortmund spielt eine langfristige Rolle. Das dortige Rail Service Center zählt zu den modernsten Instandhaltungswerken Europas. Siemens hatte bereits zuvor rund 150 Millionen Euro in dessen Ausbau investiert. Digitalisierte Arbeitsabläufe, moderne Diagnoseverfahren und lange Wartungsgleise sollen ermöglichen, Züge möglichst schnell wieder in den Betrieb zurückzubringen.
Technik, die über Grenzen fahren kann Die neuen Velaro-Züge sind für eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 320 Kilometern pro Stunde ausgelegt. Jeder Zug besteht aus acht Wagen und bietet laut Siemens rund 440 Sitzplätze. Italo spricht in seiner eigenen Mitteilung von 450 Plätzen in drei Reiseklassen. Die kleinere Abweichung dürfte auf unterschiedliche Zählweisen oder Ausstattungsstände zurückgehen.
Entscheidend für den europäischen Einsatz ist die Mehrsystemtechnik. Die Züge können mit vier unterschiedlichen Stromsystemen betrieben werden: mit 1,5 und 3 Kilovolt Gleichstrom sowie mit 15 und 25 Kilovolt Wechselstrom. Damit sind sie technisch für verschiedene europäische Bahnnetze vorbereitet und nicht ausschließlich an das deutsche Stromsystem gebunden.
Zur Ausstattung sollen ein Bistrobereich, drei Komfortklassen und eine leistungsfähige Internetverbindung gehören. Siemens nennt integrierte Starlink-Antennen, Italo zusätzlich eine schnelle 5G-Anbindung. Gerade auf langen Strecken könnte eine stabilere Verbindung den Zug für Geschäftsreisende attraktiver machen.
Eine weitere Besonderheit steckt unsichtbar unter der Oberfläche: Die digitale Plattform Railigent X und KI-basierte Anwendungen sollen technische Daten aus den Zügen laufend auswerten. Auf diese Weise können Verschleiß oder mögliche Störungen früher erkannt und Wartungsarbeiten besser geplant werden. Das Ziel ist eine vorausschauende Instandhaltung, bei der Bauteile möglichst repariert werden, bevor sie im laufenden Betrieb ausfallen.
Ein neuer Anbieter will den Fernverkehr verändern Italo möchte seinen deutschen Betrieb Mitte 2028 aufnehmen. Vorgesehen sind zwei große Verbindungen: von München über Köln nach Dortmund sowie von München über Berlin nach Hamburg. Insgesamt sollen 18 Städte auf einem rund 1.300 Kilometer langen Netz erreicht werden. Geplant sind nach derzeitigen Angaben bis zu 50 Fahrten pro Tag.
Der Einstieg könnte Bewegung in einen Markt bringen, der bislang stark von der Deutschen Bahn geprägt wird. Neue Anbieter können den Wettbewerb um Preise, Service, Komfort und Zuverlässigkeit verstärken. Voraussetzung ist allerdings, dass sie verlässlich Trassen auf dem bereits stark ausgelasteten deutschen Schienennetz erhalten.
Am 17. Juli 2026 traf die Bundesnetzagentur hierzu eine wichtige Entscheidung. Auf besonders überlasteten Strecken darf künftig im Konfliktfall nicht mehr als 60 bis 75 Prozent der verfügbaren Fernverkehrskapazität an ein einziges Unternehmen vergeben werden. Damit sollen neue Anbieter bessere Chancen erhalten, regelmäßige Verbindungen aufzubauen. Die Regelung garantiert Italo allerdings nicht automatisch sämtliche gewünschten Fahrplantrassen.
Tausende Arbeitsplätze geplant – aber nicht ausschließlich bei Siemens Italo rechnet im Zusammenhang mit seinem Deutschlandgeschäft mit rund 2.500 Arbeitsplätzen. Diese Zahl umfasst Beschäftigte im eigenen Bahnbetrieb und in verbundenen Wirtschaftsbereichen. Dazu gehören voraussichtlich Lokführerinnen und Lokführer, Zugpersonal, Servicekräfte, Verwaltung, IT, Schulung und weitere Tätigkeiten entlang der Liefer- und Betriebskette.
Es wäre jedoch ungenau, sämtliche 2.500 Stellen dem Siemens-Auftrag oder den Werken in Krefeld und Dortmund zuzurechnen. Wie viele zusätzliche Arbeitsplätze dort unmittelbar entstehen, wurde bislang nicht mitgeteilt. Der Auftrag trägt aber dazu bei, bestehende Industriearbeitsplätze, Produktionskapazitäten und spezialisiertes Bahn-Know-how langfristig auszulasten.
Mehr Fernzüge können auch dem Klima helfen Neue Hochgeschwindigkeitsverbindungen entfalten ihr Klimapotenzial vor allem dann, wenn Menschen dadurch vom Auto oder Flugzeug auf die Bahn umsteigen. Nach den jüngsten Vergleichsdaten des Umweltbundesamtes verursacht der elektrische Eisenbahnfernverkehr in Deutschland durchschnittlich 26 Gramm Treibhausgase pro Personenkilometer. Für einen innerdeutschen Flug werden durchschnittlich 290 Gramm angegeben.
Diese Werte lassen sich nicht unverändert auf jede einzelne Reise oder auf die neuen Italo-Züge übertragen. Sie zeigen jedoch, wie groß der grundsätzliche Klimavorteil gut ausgelasteter Fernzüge gegenüber dem Flugverkehr sein kann.
Mehr Wettbewerb allein löst allerdings noch keine Infrastrukturprobleme. Damit zusätzliche Züge tatsächlich zuverlässig fahren können, müssen Gleise, Bahnhöfe, Stellwerke und Knotenpunkte modernisiert werden. Der Milliardenauftrag ist deshalb kein Ersatz für den Ausbau des Schienennetzes – aber ein deutliches Signal, dass Unternehmen an eine wachsende Nachfrage nach klimafreundlicher Fernmobilität glauben.
Ein langfristiges Bekenntnis zur Schiene Der Auftrag zeigt, wie industrielle Wertschöpfung, moderne Mobilität und Klimaschutz zusammenkommen können. In Krefeld entstehen technisch anspruchsvolle Hochgeschwindigkeitszüge. In Dortmund wird über Jahrzehnte hinweg das Wissen für deren zuverlässigen Betrieb gebraucht. Gleichzeitig investiert ein neuer Anbieter Milliarden, um das Fernverkehrsangebot in Deutschland zu erweitern.
Bis die ersten Züge tatsächlich Fahrgäste befördern, bleiben noch wichtige Aufgaben: Die Fahrzeuge müssen produziert und zugelassen, Beschäftigte ausgebildet, Bahnhöfe vorbereitet und passende Trassen verbindlich vergeben werden. Der Vertrag schafft dafür jedoch eine außergewöhnlich konkrete Grundlage.
Aus einer geplanten Marktöffnung wird damit ein Industrieprojekt – mit neuen Zügen, langfristigen Aufträgen und der Aussicht auf mehr Auswahl für Millionen Reisende.
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3-Milliarden-Auftrag für Siemens: Neue Schnellzüge entstehen in Krefeld