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20 Sekunden, die wirken: Richtig Händewaschen in der Erkältungszeit
Schnupfen, Husten, Halsweh: Im Herbst sind besonders viele Erreger unterwegs. Ein einfacher Schutz kostet fast nichts – die Hände 20 bis 30 Sekunden mit Seife waschen, abspülen, gut abtrocknen. Eine große Studienauswertung zeigt: Handhygiene macht Atemwegsinfekte wahrscheinlich etwas seltener.
Seit der Zeitumstellung wird es früh dunkel, wir sind mehr drinnen – und in Bus, Büro und Kita schnieft es wieder. Im Herbst und Winter sind besonders viele Erreger von Atemwegsinfekten unterwegs, schreibt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) auf seinem Portal infektionsschutz.de. Die gute Nachricht: Gegen einen Teil davon hilft etwas, das jeder Haushalt schon hat. Ein Stück Seife, fließendes Wasser und eine halbe Minute Zeit.
Warum die Hände so wichtig sind Atemwegsinfekte wie Erkältungen werden meist von Viren ausgelöst, etwa von Rhinoviren. Sie verbreiten sich vor allem über Tröpfchen und Aerosole beim Husten, Niesen, Sprechen und Atmen. Manche Erreger reisen aber auch auf den Händen mit: beim Händeschütteln oder über Gegenstände, die viele anfassen. Fassen wir uns danach ins Gesicht, können sie über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper gelangen.
Genau diesen Weg unterbricht gründliches Händewaschen. Das BIÖG nennt dabei Erkältungen, Grippe und Magen-Darm-Infekte als mögliche Folgen, denen man so vorbeugen kann. Und weil Keime mit bloßem Auge nicht zu sehen sind, lohnt das Waschen auch dann, wenn die Hände sauber aussehen.
Was es tatsächlich bringt Dass Händewaschen wirkt, ist nicht nur ein Gefühl. Das internationale Forschungsnetzwerk Cochrane hat 2023 zahlreiche Studien zu einfachen Schutzmaßnahmen ausgewertet. In Gruppen mit Programmen zur Handhygiene erkrankten rund 14 Prozent weniger Menschen an akuten Atemwegsinfekten als in Vergleichsgruppen – die Aussagekraft dieser Daten stufen die Forschenden als moderat ein. Ihr Fazit: Handhygiene verringert die Last durch Atemwegserkrankungen wahrscheinlich in bescheidenem Maß. Für grippeähnliche Erkrankungen und im Labor bestätigte Grippe, jeweils für sich betrachtet, ließ sich dagegen kein klarer Effekt nachweisen; diese Daten sind allerdings weniger belastbar.
Händewaschen ist also kein Rundumschutz, aber ein kleiner, kostenloser Baustein, der sich über viele Wochen und viele Menschen summiert.
So geht's: fünf Schritte am Waschbecken Infektionsschutz.de beschreibt das richtige Händewaschen in fünf Schritten:
Nass machen: Hände unter fließendes Wasser halten. Die Temperatur darf angenehm sein – auf die Keimreduktion hat sie laut BIÖG keinen Einfluss. Einseifen: Handflächen, Handrücken, Fingerspitzen, Fingerzwischenräume und Daumen, auch die Nägel. Flüssigseife ist hygienischer als ein Seifenstück, vor allem in öffentlichen Waschräumen. Gründlich verreiben: 20 bis 30 Sekunden lang, überall. Abspülen: unter fließendem Wasser. In öffentlichen Toiletten den Hahn mit einem Einweghandtuch oder dem Ellenbogen zudrehen. Abtrocknen: gründlich, auch zwischen den Fingern. Wer beim Zählen die Geduld verliert: Zweimal ein Geburtstagslied summen, so die Faustregel des BIÖG, entspricht ungefähr der empfohlenen Zeit. Mehr muss es im Alltag auch nicht sein – wichtiger als besonders langes Waschen ist, es regelmäßig und gründlich zu tun.
Das Handtuch gehört dazu Abtrocknen ist kein lästiger Nachsatz, sondern Teil des Ganzen. In öffentlichen Waschräumen rät das BIÖG zu Einmalhandtüchern. Zu Hause hat am besten jede Person ihr eigenes Handtuch; es wird regelmäßig gewechselt und bei mindestens 60 Grad gewaschen.
Eine spezielle antibakterielle Seife braucht es dafür nicht. Laut BIÖG bringt sie gesunden Menschen im Privathaushalt keinen zusätzlichen Nutzen. Für die Haut sind pH-neutrale Waschsubstanzen empfehlenswert, weil sie ihren natürlichen Säureschutzmantel schonen. Und wenn gerade keine Seife da ist: Auch klares Wasser spült einen Teil der Erreger ab, mit Seife klappt es aber deutlich besser.
Wann die Hände unters Wasser gehören Die wichtigsten Momente zählt das BIÖG auf: nach dem Heimkommen, nach dem Toilettengang, nach dem Naseputzen, Husten oder Niesen, nach Kontakt mit Tieren oder Abfall. Vor dem Essen. Und jeweils vor und nach dem Kochen, dem Kontakt mit Kranken und dem Versorgen von Wunden. Wer gerade selbst verschnupft ist, schützt mit sauberen Händen und dem Niesen in die Armbeuge auch die anderen.
Händedesinfektionsmittel braucht es im normalen Alltag zu Hause in der Regel nicht. Sinnvoll sein können sie laut BIÖG in Situationen mit erhöhtem Infektionsrisiko oder im Kontakt mit besonders gefährdeten Menschen, etwa mit geschwächter Immunabwehr.
Wenn es einen doch erwischt Erkältungen verlaufen in der Regel mild. Ärztlichen Rat empfiehlt das BIÖG, wenn man sich sehr krank fühlt, wenn die Beschwerden nach einigen Tagen nicht besser oder sogar schlechter werden, bei hohem Fieber, Atemnot oder schmerzhaftem Husten. Menschen aus Risikogruppen sollten bei Beschwerden grundsätzlich eine Ärztin oder einen Arzt hinzuziehen.
Bis dahin bleibt der schönste Teil dieser Nachricht: Der wirksame Griff zur Seife dauert kaum länger als ein Lied – und lässt sich jeden Tag ein paar Mal wiederholen.
Themen: Händewaschen, Erkältungsschutz, Infektionsschutz, Handhygiene, Atemwegsinfekte, Gesundheitstipps
20 Sekunden, die wirken: Richtig Händewaschen in der Erkältungszeit