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20 Minuten Gehen bringen den Darm in Bewegung – messbar nach nur zwei Minuten
Schon 20 Minuten lockeres Gehen verändern messbar die Darmaktivität. Eine Studie zeigt, wie schnell der Körper reagiert.
Von Ulrike ·
Manchmal braucht der Körper offenbar keinen Marathon, um in Bewegung zu kommen. Schon 20 Minuten entspanntes Gehen können eine unmittelbar messbare Reaktion im Verdauungstrakt auslösen. Forschende aus Japan haben beobachtet, dass sich die Darmgeräusche bereits wenige Minuten nach einem kurzen Spaziergang deutlich verändern.
Das Spannende daran ist weniger, dass Bewegung dem Darm guttut , sondern wie schnell er darauf reagieren kann.
Der Darm wird plötzlich deutlich hörbarer Ein Team der Fujita Health University untersuchte 21 gesunde junge Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren. Nach einer Ruhephase gingen die Teilnehmenden 20 Minuten auf einem Laufband. Das Tempo war bewusst moderat gewählt und lag bei rund 70 Prozent ihrer üblichen angenehmen Gehgeschwindigkeit. Anschließend zeichneten elektronische Stethoskope die Geräusche im Bauch auf.
Bereits ein bis zwei Minuten nach dem Gehen veränderten sich alle drei untersuchten Messwerte deutlich.
Besonders auffällig war der sogenannte Sound Index, ein Maß für die Stärke der aufgezeichneten Darmgeräusche: Er stieg im Median von 32,80 auf 66,56 Millivolt pro Minute – und hatte sich damit ungefähr verdoppelt. Auch der Anteil der Messzeit, in der Darmgeräusche registriert wurden, erhöhte sich deutlich. Gleichzeitig stieg die Zahl einzelner Geräuschereignisse von durchschnittlich rund 42 auf knapp 56 pro Minute.
Der Effekt hielt allerdings nicht lange an. Schon wenige Minuten später näherten sich die Werte wieder dem Ausgangsniveau.
Warum Gehen den Bauch aufwecken könnte Darmgeräusche entstehen unter anderem, wenn Flüssigkeiten und Gase durch den Verdauungstrakt bewegt werden. Sie können deshalb Hinweise darauf geben, wie aktiv die Darmmuskulatur gerade ist.
Warum der Darm so schnell auf Bewegung reagiert, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Forschenden vermuten zwei mögliche Mechanismen: Zum einen verändert körperliche Aktivität das autonome Nervensystem. Nach dem Ende einer Belastung gewinnt der parasympathische Teil wieder stärker die Oberhand – jener Bereich des Nervensystems, der auch Verdauungsprozesse beeinflusst.
Zum anderen könnten die kleinen Erschütterungen und rhythmischen Bewegungen beim Gehen lokale Reflexe im Verdauungstrakt anregen. Beide Erklärungen sind bislang allerdings Hypothesen und wurden in dieser Studie nicht direkt nachgewiesen.
Vielversprechend – aber kein Beweis gegen Verstopfung Die Ergebnisse passen zu einer wachsenden Zahl von Untersuchungen, nach denen regelmäßige körperliche Aktivität mit einem geringeren Risiko für Verstopfung zusammenhängt. Eine systematische Auswertung von 13 Kohortenstudien mit mehr als 119.000 Menschen fand einen entsprechenden Zusammenhang zwischen höherer körperlicher Aktivität und einem niedrigeren Verstopfungsrisiko.
Aus den neuen Messungen lässt sich trotzdem noch nicht ableiten, dass ein 20-minütiger Spaziergang Verstopfung unmittelbar behandelt. Die Untersuchung hatte keine Kontrollgruppe, umfasste lediglich 21 junge gesunde Personen und erfasste Darmbewegungen nur indirekt über Geräusche. Auch der Wechsel zwischen Liegen und Stehen könnte einen Teil der Veränderung beeinflusst haben.
Trotzdem liefert die Studie einen bemerkenswerten Einblick: Unser Verdauungssystem scheint Bewegung keineswegs erst nach Wochen zu bemerken. Manchmal reichen offenbar schon 20 Minuten – und der Bauch antwortet innerhalb weniger Minuten.
20 Minuten Gehen bringen den Darm in Bewegung – messbar nach nur zwei Minuten