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20 Jahre Waldschule: Berliner Jugendliche pflanzen 3.000 Eichen für den Wald von morgen
Spaten statt Schulbank: Seit 2006 packen Jugendliche beim Bergwaldprojekt an. Zum Jubiläum pflanzen sie bei Berlin Eichen für einen künftigen Mischwald.
Von Andre ·
Am 13. November tauschen gut hundert Berliner Jugendliche das Klassenzimmer gegen einen Kiefernforst in Brandenburg. Im Forstbetrieb Hangelsberg östlich von Berlin setzen sie an diesem Tag 3.000 junge Trauben- und Stieleichen in den Boden. Der Anlass: Die Waldschule des Bergwaldprojekts wird 20 Jahre alt.
Zwei Jahrzehnte Arbeit mit den eigenen Händen Seit 2006 lädt der Verein Bergwaldprojekt Schulklassen und andere Gruppen junger Menschen zu Projektwochen in die Natur ein. Die Bilanz nach zwei Jahrzehnten: Rund 5.000 junge Menschen haben in mehr als 230 Projektwochen mitgearbeitet und dabei zusammen über 150.000 Stunden praktische Arbeit geleistet.
Gearbeitet wird quer durch die Republik: Auf Amrum drängen die Gruppen invasive Pflanzen zurück, im Nationalpark Jasmund helfen sie, Moore wieder zu vernässen. In den Bayerischen Alpen pflanzen sie heimische Bäume für Bergmischwälder, in der Rhön pflegen sie artenreiches Offenland, in Brandenburg stabilisieren sie anfällige Kiefernforste.
Der Arbeitstag ist lang: Von acht Uhr morgens bis gegen 17 Uhr sind die Gruppen draußen, mit Handwerkzeug und fachkundig angeleitet vom Team des Vereins. Mitmachen können Jugendliche ab 14 Jahren beziehungsweise ab der achten Klasse, neben Schulklassen auch Auszubildende, Studierende, Freiwilligendienstleistende, junge Geflüchtete und Gruppen aus der Jugendhilfe. Für Jugendhilfegruppen ist die Woche kostenfrei, Schulen zahlen einen Teilnahmebeitrag. Den Großteil der Kosten – nach eigenen Angaben rund drei Viertel – deckt der Verein über Spenden und Fördermitgliedschaften.
Warum ausgerechnet Eichen? Brandenburg ist Kiefernland. Laut der Bundeswaldinventur 2022 prägt die Kiefer knapp 69 Prozent des Hauptbestands im Land, Eichen und Birken kommen jeweils auf etwas mehr als fünf Prozent. Viele der heutigen Kiefernforste gehen auf Aufforstungen nach dem Zweiten Weltkrieg zurück.
Solche Reinbestände geraten im Klimawandel unter Druck. Ein Fachbeitrag des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde zählt Brandenburg zu den trockensten Regionen, in denen die Kiefer vorkommt; Hitze und Trockenheit schwächen die Bäume, Käfer und andere Schädlinge haben leichteres Spiel. Gemischte, vielfältiger aufgebaute Wälder gelten als widerstandsfähiger – und genau daran arbeitet der Waldumbau. Die Bundeswaldinventur zeigt bereits einen wachsenden Anteil an Laubbäumen, vor allem Eiche und Buche.
Die 3.000 Eichen von Hangelsberg sollen dazu beitragen, einen reinen Kiefernbestand Schritt für Schritt in einen struktur- und artenreicheren Mischwald zu verwandeln. Die Jugendlichen pflanzen damit für einen Wald, der erst in vielen Jahren sein Gesicht zeigt.
Wer zum Jubiläum mitpflanzt Mit dabei sind Schülerinnen, Schüler und Jugendliche der Klassen 7 bis 11 vom Grünen Campus Malchow, vom Lilienthal-Gymnasium Berlin, von der Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule und aus dem Kinder- und Jugendhaus Mariaschutz in Berlin-Wilmersdorf, begleitet von ihren Lehrkräften und Betreuungspersonen. Der Pflanztag entsteht gemeinsam mit dem Landesbetrieb Forst Brandenburg, dessen Direktor ebenso ein Grußwort hält wie ein Vertreter des Bundesumweltministeriums. Nach der Mittagspause spricht Fridays for Future Berlin über das Engagement junger Menschen für den Klimaschutz.
Mehr als Bäume pflanzen Für Stephen Wehner, geschäftsführender Vorstand des Bergwaldprojekts, geht es um mehr als Setzlinge. „Unsere natürlichen Lebensgrundlagen sind zunehmend gefährdet“, sagt er. Junge Menschen sollten deshalb nicht nur aufgeklärt, sondern aktiv daran beteiligt werden, Ökosysteme zu erhalten und wiederherzustellen. Naturverbundenheit, Gemeinschaftssinn und das Gefühl, selbst etwas bewirken zu können, will die Waldschule fördern.
Dafür gab es auch Anerkennung: Das Bundesbildungsministerium und die Deutsche UNESCO-Kommission zeichneten die Waldschule im Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ aus, gefördert wurde sie zudem im Bundesprogramm Biologische Vielfalt.
Hinter der Waldschule steht ein Verein mit langer Erfahrung: Das Bergwaldprojekt organisiert seit Anfang der 1990er-Jahre Freiwilligeneinsätze in Wäldern, Mooren und Offenlandschaften und bringt nach eigenen Angaben bundesweit rund 5.000 Freiwillige pro Jahr in die Natur. Laut einem Porträt in der Tatenbank des Umweltbundesamts aus dem Jahr 2020 haben Freiwillige mit dem Verein in Deutschland bereits mehr als 2,5 Millionen Bäume gepflanzt.
Themen: Bergwaldprojekt, Waldschule, Eichen, Waldumbau, Mischwald, Brandenburg, Berlin, Umweltbildung
20 Jahre Waldschule: Berliner Jugendliche pflanzen 3.000 Eichen für den Wald von morgen