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2.000 Euro steuerfrei: Aktivrente startet mit erstem Erfolg
Mehr als 10.000 Beschäftigte haben im ersten Halbjahr 2026 nach Angaben der Bundesregierung die neue Aktivrente genutzt. Der Steuerbonus kann dabei helfen, erfahrene Fachkräfte länger in Unternehmen zu halten. Doch die erste Zahl zeigt vor allem eines: Das Modell wird angenommen – ob es tatsächlich zusätzliche Beschäftigung schafft, muss sich noch beweisen.
Von Silvia ·
Mehr Erfahrung bleibt im Job: Aktivrente erreicht über 10.000 Beschäftigte Der Eintritt in den Ruhestand muss heute nicht mehr zwangsläufig bedeuten, dass Erfahrung, Kontakte und Fachwissen von einem Tag auf den anderen aus dem Arbeitsleben verschwinden. Immer mehr Menschen möchten ihren Beruf zumindest für einige Stunden oder Tage in der Woche fortsetzen – nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch aus Freude an der Tätigkeit, wegen des Austauschs mit Kolleginnen und Kollegen oder aus dem Wunsch heraus, weiterhin gebraucht zu werden.
Seit Anfang 2026 unterstützt der Staat diese Entscheidung mit einem neuen steuerlichen Anreiz. Die sogenannte Aktivrente erlaubt es Menschen nach Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze, in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung monatlich bis zu 2.000 Euro steuerfrei zu verdienen. Bei einer Beschäftigung während des gesamten Kalenderjahres können damit bis zu 24.000 Euro Arbeitslohn steuerfrei bleiben.
Nun liegt ein erstes Signal zur Nutzung vor: Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte am 9. Juli 2026 im Deutschen Bundestag, dass im ersten Halbjahr mehr als 10.000 Beschäftigte von der Aktivrente Gebrauch gemacht hätten. Damit wurde erstmals eine konkrete Zahl zur Inanspruchnahme des neuen Steuerfreibetrags öffentlich genannt.
Keine neue Rentenart, sondern ein Steuerbonus Trotz ihres Namens ist die Aktivrente keine zusätzliche Rente und wird auch nicht von der Deutschen Rentenversicherung ausgezahlt. Sie ist ein Steuerfreibetrag für Arbeitslohn.
Nutzen können ihn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ihre persönliche Regelaltersgrenze erreicht haben und weiterhin einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie bereits eine gesetzliche Altersrente beziehen, ihren Rentenbeginn aufgeschoben haben oder überhaupt einen Anspruch auf gesetzliche Rente besitzen.
Wer beispielsweise monatlich 1.800 Euro aus einem passenden Beschäftigungsverhältnis verdient, kann diesen Betrag vollständig steuerfrei erhalten. Bei einem Gehalt von 3.000 Euro bleiben bis zu 2.000 Euro steuerfrei; die darüberliegenden 1.000 Euro sind regulär zu versteuern.
Beantragt werden muss der Freibetrag grundsätzlich nicht. Der Arbeitgeber berücksichtigt ihn automatisch beim Lohnsteuerabzug und übermittelt die steuerfreien Beträge später über die elektronische Lohnsteuerbescheinigung an die Finanzverwaltung.
Die gesetzliche Rente wird durch die Nutzung nicht gekürzt. Allerdings bedeutet „steuerfrei“ nicht automatisch „abgabenfrei“: Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fallen in der Regel weiterhin an.
Wer von der Aktivrente ausgeschlossen bleibt Der Steuerbonus gilt nur für bestimmte nichtselbstständige Beschäftigungen. Einnahmen aus selbstständiger oder freiberuflicher Tätigkeit, einem Minijob, einem Beamtenverhältnis oder einem Abgeordnetenmandat fallen nicht darunter. Entscheidend ist dabei die aktuell ausgeübte Tätigkeit: Eine frühere Selbstständige kann die Aktivrente beispielsweise nutzen, wenn sie nach Erreichen der Regelaltersgrenze eine begünstigte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnimmt.
Diese Einschränkung betrifft einen erheblichen Teil der arbeitenden Rentnerinnen und Rentner. Im Jahr 2025 waren 13,5 Prozent der Menschen zwischen 65 und 74 Jahren, die eine gesetzliche Altersrente bezogen, weiterhin erwerbstätig. Knapp die Hälfte arbeitete jedoch geringfügig, weitere 27,1 Prozent waren selbstständig – beide Gruppen können mit ihrer jeweiligen Tätigkeit nicht von der Aktivrente profitieren.
Warum viele Menschen im Ruhestand weiterarbeiten Die Motive sind vielfältiger, als die Debatte um Rentenhöhe und Fachkräftemangel manchmal vermuten lässt. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes arbeitete etwa ein Drittel der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner aus finanzieller Notwendigkeit. Fast ebenso viele nannten jedoch Freude an der Arbeit als wichtigsten Grund. Auch soziale Kontakte, eine attraktive Bezahlung und die Berufstätigkeit des Partners oder der Partnerin spielten eine Rolle.
Genau hier liegt eine Chance der Aktivrente: Sie kann Menschen unterstützen, die nicht vollständig aus ihrem Beruf ausscheiden möchten. Für Unternehmen eröffnet sie die Möglichkeit, erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger einzubinden, Wissen schrittweise an jüngere Teams weiterzugeben und personelle Engpässe zumindest teilweise abzufedern.
Davon können besonders kleinere Betriebe profitieren. In Handwerk, Pflege, Technik, Verwaltung oder Beratung lässt sich über Jahrzehnte erworbenes Erfahrungswissen häufig nicht kurzfristig ersetzen. Eine freiwillige Weiterbeschäftigung für einige Stunden oder Tage pro Woche kann Übergaben erleichtern, Nachwuchskräfte begleiten und Kundenbeziehungen erhalten.
Faktencheck: Was die Zahl von 10.000 wirklich aussagt Die Angabe von mehr als 10.000 Beschäftigten stammt aus der Regierungserklärung des Bundeskanzlers und ist damit eine offizielle Regierungsangabe. In der dazugehörigen Veröffentlichung wird bislang jedoch weder erläutert, aus welcher Statistik die Zahl stammt, noch wie die Beschäftigten genau erfasst und voneinander abgegrenzt wurden.
Unklar bleibt insbesondere, wie viele dieser Menschen ausschließlich wegen des neuen Steuervorteils weiterarbeiten. Beschäftigte, die ohnehin über die Regelaltersgrenze hinaus tätig geblieben wären, erhalten den Freibetrag ebenfalls. Die Zahl belegt deshalb zunächst die Nutzung der Aktivrente – nicht automatisch 10.000 zusätzlich entstandene oder erhaltene Arbeitsverhältnisse.
Auch die Formulierung einer bereits „großen Nachfrage“ lässt sich ohne Vergleichswert nur eingeschränkt beurteilen. In den Berechnungen zum Gesetz ging die Bundesregierung von rund 168.000 möglichen Begünstigten aus. Grundlage war die Annahme, dass etwa ein Viertel der damals rund 672.000 mehr als geringfügig Beschäftigten ab 65 Jahren auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiterarbeiten oder durch die Aktivrente wieder eine Beschäftigung aufnehmen könnte.
Die mehr als 10.000 gemeldeten Nutzenden sind daher ein ermutigendes erstes Signal, aber noch keine abschließende Bilanz.
Geld allein entscheidet nicht über längeres Arbeiten Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung kam vor der Einführung zu dem Ergebnis, dass der finanzielle Anreiz die Bereitschaft zum Weiterarbeiten erhöhen könnte. Hochgerechnet wurde ein zusätzliches Arbeitsvolumen von etwa 25.000 bis 33.000 Vollzeitstellen erwartet. Für einen vollständigen Ausgleich der geschätzten Steuerausfälle wären der Studie zufolge jedoch mindestens 40.000 zusätzliche Vollzeitstellen erforderlich.
Die Aktivrente allein wird den Fachkräftemangel deshalb kaum lösen. Sie kann jedoch ein Baustein sein – besonders dann, wenn Unternehmen die finanziellen Anreize durch gute Arbeitsbedingungen ergänzen.
Flexible Arbeitszeiten, reduzierte Wochenstunden, passende Aufgaben, weniger körperliche Belastung, mobiles Arbeiten und eine wertschätzende Unternehmenskultur sind für ältere Beschäftigte häufig ebenso wichtig wie das zusätzliche Nettoeinkommen. Befragungen zeigen zudem, dass viele Menschen im Beruf bleiben möchten, um geistig aktiv zu sein, soziale Kontakte zu pflegen und weiterhin eine sinnvolle Aufgabe zu haben.
Ein Anfang, der genau beobachtet werden sollte Mehr als 10.000 Nutzende innerhalb eines halben Jahres zeigen, dass die Aktivrente nicht nur ein theoretisches Modell geblieben ist. Menschen und Unternehmen setzen sie bereits praktisch ein.
Ob daraus langfristig eine deutlich höhere Erwerbsbeteiligung nach Erreichen der Regelaltersgrenze entsteht, wird sich jedoch erst über mehrere Jahre beurteilen lassen. Laut Gesetzesbegründung soll bis Ende 2029 untersucht werden, ob der Steuerbonus tatsächlich zu einer höheren Beschäftigungsquote älterer Menschen geführt hat.
Der Erfolg der Aktivrente sollte deshalb nicht allein daran gemessen werden, wie viele Menschen den Freibetrag erhalten. Entscheidend ist, ob mehr Beschäftigte freiwillig länger bleiben, ob Wissen wirksam weitergegeben wird und ob auch Menschen mit geringerem Einkommen, körperlich belastenden Berufen oder eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten von passenden Angeboten profitieren.
Die ersten Zahlen liefern noch keinen Beweis. Sie zeigen aber, dass ein flexiblerer Übergang zwischen Erwerbsleben und Ruhestand auf Interesse stößt – und dass Arbeit im höheren Alter zunehmend als p
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