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15 Minuten am Tag: Wie Singapur mit ReadSG das Lesen wieder zur Gewohnheit macht
15 Minuten lesen, Punkte sammeln, Gutes tun: Singapur macht aus einer kleinen Pause eine nationale Bewegung.
Von Max ·
15 Minuten am Tag: Wie Singapur das Lesen wieder zur täglichen Gewohnheit macht Eine Viertelstunde klingt nach wenig. Etwa so lange wie ein Kaffee am Morgen, ein paar Stationen mit der Bahn oder jene Zeit, die erstaunlich schnell beim Scrollen durch das Smartphone verschwindet. In Singapur soll genau diese Viertelstunde nun helfen, eine alte Gewohnheit neu zu entdecken: das Lesen.
Mit ReadSG hat Singapurs National Library Board Anfang September 2026 eine auf fünf Jahre angelegte nationale Lesebewegung gestartet. Die Idee dahinter ist bewusst einfach: Schon 15 Minuten Lesen pro Tag sollen reichen, um Schritt für Schritt eine dauerhafte Routine aufzubauen.
Lesen bekommt einen kleinen Motivationsschub Damit aus dem guten Vorsatz tatsächlich eine Gewohnheit wird, setzt Singapur auf Mechanismen, die vielen eher aus Fitness-Apps bekannt vorkommen. Teilnehmer können ihre Lesesitzungen über die staatliche Plattform CrowdTask SG dokumentieren, persönliche Ziele festlegen, Leseserien aufbauen, Erfahrungspunkte sammeln und virtuelle Coins erhalten, die sich einlösen lassen.
Der finanzielle Wert dieser Belohnungen ist bewusst klein. Entscheidend ist vielmehr der spielerische Anreiz: Heute gelesen? Haken dran. Morgen wieder. Aus einzelnen Viertelstunden soll so irgendwann etwas entstehen, über das man gar nicht mehr nachdenken muss.
Die zunächst bis Ende Dezember 2026 laufende Challenge ist ein Pilotprojekt. Bis September 2027 möchte das National Library Board rund 150.000 Menschen für die Aktion gewinnen. Erfahrungen aus der ersten Phase sollen anschließend in neue Funktionen einfließen.
Jede gelesene Minute kann zugleich anderen helfen Besonders interessant wird ReadSG durch einen zweiten Baustein. Unter dem Namen „Read for Good“ werden persönliche Leseminuten mit einem gemeinsamen sozialen Ziel verbunden.
Vom 6. September bis 7. Oktober sollen insgesamt 7,5 Millionen Leseminuten zusammenkommen. Damit können bis zu 150.000 Singapur-Dollar für Projekte und Organisationen mobilisiert werden, die unter anderem Kindern und Menschen mit Unterstützungsbedarf Zugang zu Lesen und Lernen ermöglichen. Jede täglich erfasste 15-Minuten-Einheit fließt in diese gemeinsame Bilanz ein.
Plötzlich ist Lesen damit nicht mehr nur eine stille Beschäftigung zwischen einem Menschen und einem Buch. Viele kleine persönliche Routinen werden zu einer gemeinsamen Aktion.
Warum Lesen mehr sein kann als Unterhaltung Auch wissenschaftlich gibt es gute Gründe, dem Lesen wieder mehr Platz zu geben – ohne daraus ein Wundermittel zu machen.
Eine 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit wertete 43 Studien zu Lesen und Wohlbefinden aus. Sie fand Hinweise darauf, dass Lesen zum Vergnügen unter anderem Abstand vom Alltagsstress schaffen, Perspektivwechsel fördern und Gefühle von Verbundenheit, Selbstverständnis und Empathie unterstützen kann.
Eine große Metaanalyse zur Wirkung von fiktionaler Literatur fand ebenfalls kleine, aber messbare positive Zusammenhänge beziehungsweise Effekte – insbesondere bei Empathie und dem Verständnis der Gedanken anderer Menschen.
Singapurs Experiment setzt deshalb nicht auf stundenlange Lesemarathons. Seine vielleicht sympathischste Botschaft lautet: Eine gute Gewohnheit muss nicht groß anfangen.
Manchmal reichen 15 Minuten und die nächste Seite.
15 Minuten am Tag: Wie Singapur mit ReadSG das Lesen wieder zur Gewohnheit macht