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1,4 Millionen Jahre alte Fußspuren verändern unser Bild vom Vormenschen
21 versteinerte Fußabdrücke am Turkana-See zeigen einen ausgestorbenen Menschenverwandten möglicherweise ganz anders als bisher gedacht: größer, schwerer und offenbar in einer Gruppe unterwegs.
Von Andre ·
1,4 Millionen Jahre alte Fußspuren verändern unser Bild vom Vormenschen Am einstigen Ufer des Turkana-Sees in Kenia blieb ein Augenblick erhalten, der 1,43 Millionen Jahre zurückliegt: Mehrere Menschenverwandte liefen durch den weichen Schlamm. Ihre Schritte wurden von Sand bedeckt, versteinerten – und erzählen heute eine überraschend lebendige Geschichte.
Am Fundort GaJi10 dokumentierte ein internationales Forschungsteam insgesamt 21 Fußabdrücke von acht Individuen. Die ersten Spuren waren bereits 1978 entdeckt worden. Weitere Ausgrabungen in den Jahren 2016 und 2023 brachten schließlich das Ausmaß des Fundes ans Licht. Vulkanische Asche in den umliegenden Gesteinsschichten ermöglichte die Datierung.
Form, Proportionen und Bewegungsmuster der Abdrücke sprechen nach Einschätzung des Teams für Paranthropus boisei . Dieser ausgestorbene Seitenzweig der menschlichen Evolution ist vor allem durch mächtige Kiefer, außergewöhnlich große Backenzähne und einen kräftigen Schädel bekannt. Über seinen restlichen Körper wusste die Forschung bislang vergleichsweise wenig.
Nun könnten ausgerechnet die Füße das bisherige Bild verändern: Einige Spuren lassen auf eine Körpergröße von bis zu 1,80 Metern und ein Gewicht von etwa 75 Kilogramm schließen. Damit wären einzelne Vertreter ähnlich groß gewesen wie der gleichzeitig lebende Homo erectus . Bisher galt Paranthropus boisei meist als deutlich kleiner.
Vollständig geklärt ist die Identität der Spurenerzeuger allerdings nicht. Ihre Fußform ähnelt Abdrücken, die Paranthropus zugeschrieben werden, ihre Größe würde aber auch zu Homo erectus passen. Das Forschungsteam hält die erste Erklärung für wahrscheinlicher – endgültige Sicherheit können Fußspuren allein jedoch nicht liefern.
Auch das Verhalten sorgt für Aufmerksamkeit. Die acht Individuen bewegten sich offenbar innerhalb kurzer Zeit über dieselbe Fläche. Anhand der Größe vermuten die Forschenden, dass es sich überwiegend um erwachsene Männchen handelte. Möglicherweise waren sie gemeinsam auf Nahrungssuche oder schützten sich in einer Landschaft mit Krokodilen und anderen Raubtieren gegenseitig.
Der Fund zeigt, wie viel ein flüchtiger Moment über Körperbau, Fortbewegung und mögliches Sozialverhalten verraten kann. Aus einigen Schritten im Schlamm entsteht so ein neues, differenzierteres Bild unserer evolutionären Verwandtschaft.
1,4 Millionen Jahre alte Fußspuren verändern unser Bild vom Vormenschen